Tierkreuzungsgeschichten eines Tierarztes aus Machern in Sachsen


Teil 5: Es gibt Cattalos, Yakalos, Schiegen und andere seltene Bastarde und Chimären

Von Heinz Mielke

Cattalos

Cattalos sind die Bastarde von Bison und Hausrind. Der Name setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern "Cattle" (Rind) und "Buffalo" (Bison). Solche Bastardierungen sind bisher mit Prärie- und Waldbüffeln (amerikanischen Bisons) in den USA und Kanada und mit Wisenten (europäischen Bisons) in Polen sowie mit Bisons und Wisenten in der Ukraine mehr oder weniger erfolgreich gelaufen. Das Ziel bestand in einer Kombination der Wetterunempfindlichkeit des Bisons mit der überlegenden Fleischqualität des Hausrindes.
Anfang der 80iger Jahre wurden auch im Leipziger Zoo in Zusammenarbeit mit der Leipziger Universität Untersuchungen über die Kreuzungsmöglichkeiten eines kanadischen Waldbisonbullen namens "Hitchcock" und vier Schwarzbunten Kühen durchgeführt. In den Leipziger Versuchen erwiesen sich allerdings die Bastardierungsschranken als zu stark. Der größte erreichte Erfolg war eine bis zum 7. Monat gekommene Trächtigkeit bei der Kuh "Lisa", die aber wegen starker Eihautwassersucht operativ unterbrochen werden mußte. Bei dem totentwickelten Bastard-Kalb zeichneten sich schon deutliche Heterosiseffekte ab, unter anderem eine vergleichsweise größere Gesamtkörperausbildung.
Die Leipziger Cattalo-Untersuchungen hat Jörg Adler 1983 in seiner Diplomarbeit zusammengefaßt. Er war damals im Zoo tätig und absolvierte ein Fernstudium an der Leipziger Universität. Heute ist er Direktor des Allwetterzoos in Münster.


Auf dem linken Bild ist ein in Texas produziertes weibliches "Cattalo" zu sehen, ein Kreuzungsprodukt von Bisonbullen und Brahmanenkuh (Foto: Bamberger). Das rechte Bild zeigt einen Bisonbullen beim Phantomsprung zur Spermagewinnung im Lehr- und Versuchsgut Oberholz der Leipziger Universität.

Yakalos

Yakalos sind die Bastarde von Yak und Hausrind. Über sie gibt es Berichte aus Kanada, aus der Ukraine und aus dem Altai. Im Tibet, China und der Mongolei werden solche Bastardherden aus rein wirtschaftlichen Überlegungen auf Extremstandorten unter Ausnutzung der jeweiligen günstigen Erbteileigenschaften der Elterntiere wegen Fleisch und Milch gehalten und Einzelbastarde häufig als Last- und Reittiere genutzt.
Von Interesse ist, daß Ende des vorigen Jahrhunderts an der Universität Halle unter Leitung von Julius Kühn zahlreiche Artenkreuzungen begonnen wurden. Darüber berichtete kürzlich Joachim Wussow vom Museum für Haustierkunde "Julius Kühn" in Halle:1922 erschien ein Bericht über erfolgreiche Kreuzungen von Yak und Hausrind. Mit 9 männlichen und 6 weiblichen reinblütigen Yaks wurden 64 Yakalos erzeugt. Alle männlichen Yakolos waren unfruchtbar im Gegensatz zu den weiblichen.
In den Zoos von Dresden und Halle waren Jahre später auch einzelne Yakolos produziert worden. Im Lehr- und Versuchsgut Börnchen der Leipziger Universität im Ost- Erzgebirge began man in den 80iger Jahren mit der Produktion von Yakalos. Während die künstliche Besamung zu keinem Erfolg führte, entstanden durch Natursprünge der Bullen in gemischter Herde aus Yaks und Hausrindern 21 Yakalos ("Unser Land" 11/98 berichtete davon).


Im linken Bild ist ein männlicher "Yakalo" zu sehen, der 1897 in Halle/Saale durch Kreuzung eines Yakbullen und einer Anguskuh produziert wurde (Archivfoto: Museum für Haustierkunde Halle). Das rechte Bild zeigt eine Yakkuh des Lehr- und Versuchsgutes Börnchen.

Schiegen

Schiegen (Geeps) sind die Bastarde von Schaf und Ziege. Sie sind nur als Zufallsprodukte in geringer Zahl bekanntgeworden. So konnte 1981 vom Bergzoo Halle in Zusammenarbeit mit der Hallischen Universität die genetische Echtheit eines solchen Schaf/Ziege-Hybrides durch Chromosomenbestimmung bestätigt werden ("Biologische Rundschau" 1982). Das Tier stammte aus dem Vogtland und war durch Natursprung eines Ostfriesischen Milchschafbockes gezeugt worden, dem eine brünstige Deutsche Edelziege unterlaufen war.

Der Kopf mit der Ohrhaltung des Tieres sah schafähnlich, der Körperbau ziegenähnlich aus. Das kräftige kurze Sommerfell entsprach mehr dem Haarkleid einer Ziege (rechtes Bild), während es im Winter mehr schafwollig war (linkes Bild).

 Als Schiegen werden auch die Schaf/Ziege-Chimären bezeichnet, die durch Fusion von Embryonalzellen des Schafes mit Embryonalzellen der Ziege im Labor entstehen können, indem der fusionierte Embryo zum Ausreifen und Austragen dann in die Gebärmutter einer Schafleihmutter transferiert wird. Das gelang 1984 in England, worauf auch mit Bild in der Zeitschrift "Bunte" (43/98) hingewiesen wird. Bei der Chimäre ist die Konstellation der Chromosomen eine völlig andere als beim Hybride , wodurch das Geschöpf dann auch aus genetisch verschiedenen Teilen besteht.
Der Name Chimäre stammt aus der Mythologie mit ihren nach Sokrates verrückten Wunderwesen, wozu auch die Chimären zählen. Das sind feuerspeiende Ungeheuer, vorn Löwe, in der Mitte Ziege, hinten Schlange.

Mularden

Mularden sind Bastarde von Moschusenten und Pekingenten. An der Universität Halle, wie auch an anderen Orten der Welt, laufen seit längerer Zeit Versuche zur Produktion von Mularden (Diss. von A.Wagner, Universität, Halle a. d. Saale1998, ).

10 Mularden auf dem Bauernhof der Haberlands in Oberschöna bei Flöha im Dezember 2002


Rackelwild

Rackelwild sind Bastarde von Birkhahn und Auerhahn. Es tritt in der freien Wildbahn auf und sind besonders Jägern bekannte Bastardierungen.
 

Wolfshybriden

Wolfshybriden sind Bastarde von Wolf und Hund.  Gegenwärtig kommt in Deutschland die Haltung von Wolfshybriden etwas in Mode. Die Wolf/Hund-Bastarde stellen  in Privathand eine gefährliche Problematik dar: "Der Wolf im Hundepelz!" (s. Tierärztl. Umschau, 1/98).
Schon ab 1881 wurden von Julius Kühn an der Universität Halle/Saale fast 30 Jahre lang erfolgreiche Kreuzungen mit Wolf, Schakal und Hund vorgenommen, die alle eine Chromosonenzahl von 2n = 78 haben und mit einer unbegrenzten Fruchtbarkeit einhergingen und zusammen mit anderen Erhebungen den Wolf als Urvater des Hundes im Sinne einer monophyletischen Abstammung ausweisen (s. Der Hund, 11/2001, S. 84).


Das Bild  zeigt im Vordergrund die Dermoplastiken von einem Wolf/Hund-Bastard (l.) und zwei Schakal/Hund-Bastarden (r.). (Foto: Museum für Haustierkunde der Universität Halle/Saale)


Wildschweinhybriden

Wildschweinhybriden sind Bastarde von Wildschwein und Hausschwein.
Mit derartigen Kreuzungen beschäftigte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Julius Kühn an der Universität Halle/Saale. Im dortigen Museum für Haustierkunde, das seinen Namen trägt, existiert das nachfolgende Bild:

Bache mit  Frischlingen aus der Kreuzung mit einem Hausschweineber
(Aquarell von Karl Wagner)

Im Januar/Februar 1999 wurde die 11 Monate alte "Flora" von Dieter Preiß aus Gleisberg bei Rosswein in Sachsen zum Presse- und Fernsehstar bei RTL und Pro7 (Bild u.):

Sie ist ein Wildschwein/Hausschwein-Bastard mit 75 % Blutanteilen von Keilern und 25 % von  Hängebauchsau. Letztere ist also ihre Großmutter. Auf die Gene vom Hängebauchschwein deuten noch der etwas tiefhängende Bauch und die kurzen Beine sowie der Vorderbuckel hin. Ansonsten sind Habitus und Borsten Wildschwein-ähnlich.
"Flora" ist sehr zutraulich, wie das die Fotomontage des Autors zeigt, wo sie aus der Hand einer ihr völlig fremden Person frißt und ihren Hausfreund "Kendy", den Bernhardiner, beschnuppert. Hervorzuheben sind auch ihre große Lernfähigkeit und Gehorsamkeit. So hört sie zum Beispiel bei Waldspaziergängen auf das Bei-Fuß-Pfeifen ihres Herrn sofort.
Sie wurde von einem privat gehalten Wildschweineber gedeckt. Im August 1999 warf  sie 8 "bunte" Ferkel mit einen jeweiligen Anteil von 88 %  Wildschweinblut  (s. Bilder u.):


Teil 1; Teil 2; Teil 3; Teil 4; 

Machern, 14. 02. 1999/ Prof. Dr. Heinz Mielke
Last updatet: 27. 03. 2004