Mühlen und Mühlenbesitzer in Machern

Einstmals besaß jedes Dorf in Sachsen mindestens eine Wasser- oder eine Windmühle, was damals fast lebensnotwendig war.  In Machern gab es zwei: eine Windmühle seit 1652 und eine Wassermühle seit 1672. Diese Jahresangaben sind im historischen Mühlenkatalog von  Dagmar Fuchs aus Markkleeberg zu finden. Von 1702 bis ca. 1787 gehörten mit nur kleiner zwischenzeitlicher Pause noch  die Wurzener Amtsmühlen, zwei Wassermühlen, den Macherner Grundherren, den Herren von Lindenau. Im Folgenden soll darüber unter heimatgeschichtlichem Gesichtspunkt berichtet werden.

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Nordsachsen e. V. (Bild l.)
 

Anlass zu Recherchen war eine Anfrage von Dr. Hans Zeisler aus Pegau, dessen Vorfahren zu den Besitzern und Betreibern der  Macherner Wassermühle gehören.

Die Wassermühle von Machern

Auf dem Plan von Lange, der den "Gräflichen englischen Garten vom Rittergute  Machern" im Jahr 1795 darstellt, ist die Wassermühle als "das Mühlen" eingezeichnet:
Sie lag damals einsam, ca. 1,5 km vom Macherner Schloss und Dorf entfernt, am Mühldamm auf der Ostseite des Mühlteiches. Diese einsame Lage in schönster Natur konnte sie  lange Zeit bewahren. Erst um 1900 rückten einige Häuser an der heutigen Wurzener Straße, eine Fischerei sowie besonders verstärkt nach 1932 Siedlungshäuser im Zusammenhang mit der gegründeten  Gartenstadt GmbH Machern entlang der heutigen Goethe-, See- und Rudolf-Breitscheid-Straße näher an sie heran.
Die Wassermühle soll nach Angaben aus dem oben genannten Mühlenkatalog 1833 abgebrannt sein. Im Jahre 1860 findet sie aber dort erneut eine auf Funktionsfähigkeit hindeutende  Erwähnung.
Das  Macherner Kirchenbuch weist aus, "dass am 12. 10. 1862 Friedrich Poppitz, der künftige Besitzer der Wassermühle in Machern, Wilhelmine Mathilde Schumann geheiratet hat, die einzige Tochter des damaligen Besitzers der Macherner Wassermühle Johann Wilhelm Schumann" (1807 – 1896). Friedrich und Mathilde Poppitz hatten 5 Kinder. Nicht 1899 , wie Dr. Zeidler meint, hat es wieder in der Wassermühle gebrannt, sondern schon am 9. 6. 1891, hervorgerufen  durch Blitzeinschlag, wie das im "Protokollbuch der freiwilligen Feuerwehr von Machern" vermerkt ist. Die Mühle wurde danach wiederhergestellt. In den Wurzener Adressbüchern ist belegt, dass die Familie des Wassermüllers Friedrich Poppitz 1898/99, 1899/1900, 1902/03 und 1905 in  Machern in der Wassermühle gewohnt hat. Friedrich Poppitz zog 1905  zu seiner Tochter Anna Zeisler nach Leipzig, die die Großmutter von Dr. Zeisler (s. o.) ist, und starb 1913. Wann die Wassermühle genau ihre Mahltätigkeit beendet hat, ist nicht belegt. Auch nicht, ob Poppitz etwa dem damals in Leipzig sehr bekannten Graphiker Bruno Hèroux, Professor an der Königlichen Kunstakademie in Leipzig, seine Wassermühle als idyllisches Landhaus verkauft hat.


Die Wassermühle von Machern 1910
(Radierung: B. Hèroux)


   Wohnhaus "Wassermühle von Machern" 1974
(Foto: Pietzsch)

Von Bruno Héroux stammen die beiden einzigen und  ältesten bildlichen Darstellungen von "der kleinen Wassermühle bei Machern". Die eine Radierung benutzte Héroux auch als Postkarte (Bild o.) und verschickte sie an Freunde. So an den Schauspieler Carl Huth in Leipzig. Auf ihr steht: "Aus meiner Mühle einen herzlichen Gruß Ihr B. Héroux. Machern, 16.  Sept. 1910." (Bibliothek der Hochschule für Graphik u. Buchkunst Leipzig). Diese Graphik  wurde später in die Macherner Bildersammlung aufgenommen, die 1975 als Ehrengeschenk an verdiente Macherner Bürgern übergeben wurde.
Die zweite meisterhafte Radierung  zeigt besonders das mächtige oberschlächtige Wasserrad der Mühle an ihrem Nordgiebel:


Die Wassermühle von Machern 1910
(Radierung: B. Hèroux)

Über das weitere Schicksal der Wassermühle ist wenig bekannt. Beyreuther erwähnt sie 1938 in seinem Buch "Machern – Im Wandel der Zeit" als alte Wassermühle, hinter der 1935 die zur Beschleusung des Ortes Machern gehörende Kläranlage entstand. Die Mühle diente damals schon Macherner Bürgern als Wohnhaus, was ab 1951 durch Augenzeugen belegt ist. Denn von da an wohnten die Familie Markner bis 1970 und die Familie Pietzsch von ist 1953 bis 1976 dort (s. Foto v. Pietzsch). 1984 wurde das Gebäude der alten Wassermühle durch den  Binnenfischereibetrieb  Wermsdorf abgerissen, der  in Machern eine  Niederlassung am Mühlteich  hatte.


Ein kleines Stück zurückgebliebener Grundmauer am Mühldamm erinnert heute noch an die ehemalige Wassermühle von Machern aus dem 19. Jahrhundert, die im 20. Jahrhundert als Land- und Wohnhaus diente.


Die Windmühle von Machern

Folgt man den Ausführungen von Beyreuther in seinem Historienbuch über Machern von 1938, so ist die dort mit einem Foto wiedergegebene Bockwindmühle (s. Bild u.) 1763 durch Johann Zschau erbaut und  betrieben worden.


Die Windmühle von Machern am Brandiser Weg 1930
(Teilfoto: Beyreuther, 1938)

Dieser hatte damals vom Macherner Grundherren und Rittergutsbesitzer Heinrich Gottlieb von Lindenau etwas Acker für die Aufstellung der Mühle erworben. Über die am Anfang genannte ältere Macherner Windmühle von  1652 ist bisher nichts weiter als diese Jahreszahl bekannt geworden.
Das Wurzener Adressbuch führt 1898/99 erstmals auch die Adressen der Einwohner von Orten in  Wurzens Umgebung an. So auch von Machern und dort die von Louis Parthey im Haus 81 am Brandiser Weg als Windmühlenbesitzer, in den Jahren danach als Mühlenbesitzer. 1922  wird unter dieser Hausnummer Otto Parthey als Bäckerei-, Mühlen- und Gutsbesitzer genannt und 1926 nur noch die verwittwete Martha Parthey als Hausbesitzerin.
Die nächste Ausgabe des Wurzener Adressbuches erschien erst 1930. In ihr nun steht Karl Krellig als Gutsbesitzer (Windmüller), wohnhaft im Haus 81. Beyreuther schreibt 1938, dass Karl Krellig am 8. 3. 1930 die in seinem Besitz befindliche  Windmühle (s. Bild) mit eigenen Händen "umgelegt" hat. In einer  großen Staubwolke verschwand das schöne Wahrzeichen von Machern, und  die Macherner Mühlengeschichte fand ihr  Ende.
 

Die Amtsmühlen von Wurzen

Die Amtsmühlen sind Wassermühlen und betreffen Wurzener Territorium und Geschichte. Da die Herren von Lindenau auf Schloss Machern im 18. Jahrhundert fast 70 Jahre lang die Besitzer auch der Wurzener Amtsmühlen waren, darf die mit Machern verbundene Wurzener Mühlengeschichte hier nicht außer Acht gelassen werden, zumal erst durch den Artikel über den "Bier- und Leinölkrieg" des Macherner Grafen Heinrich Gottlieb von Lindenau mit der Wurzener Bürgerschaft von 1780 bis 1786 diese Mühlenbesitzverhältnisse nicht nur von 1701 bis 1752 sondern nun auch besonders die nach 1774 erstmals geschichtlich angesprochen wurden (LVZ/Wurzener Tageszeitung 16. 9. 1999).
Zur Geschichte: 1470 ließen Bischof Johann von Weißenbach am Wurzener Mühlgraben die Stadtmühle und 1503  Bischof Johann von Saalhausen am Muldenwehr bei Niederschmölen die Neumühle (die Obermühle) bauen. Beide gingen später unter der Bezeichnung Amtsmühlen in das Kurfürstliche Amt Wurzen über. Bei ihrer Privatisierung erwarb sie 1701 der Macherner und Zeititzer Rittergutsbesitzer Wolf von Lindenau. Nach seinem Tode im Jahre 1710 beerbte ihn  sein Sohn und Nachfolger Gottfried Anshelm von Lindenau, nach dessen Tod 1749 wiederum dessen Sohn und Nachfolger Heinrich Gottlieb von Lindenau. Dieser verkaufte 1752 die beiden Mühlen an Christian Dietrich. Dessen Ableben und der Tod seines unverheirateten Sohnes Adam Gottlob führten dazu, dass beide Wurzener Mühlen als Pertinenzstücke (zugehörige Erbstücke) wieder an die Rittergüter Machern und Zeititz zurückfielen. Ihr Besitzer war noch immer Heinrich Gottlieb von Lindenau, seit 1963 auch Kurfürstlich-sächsischer Oberstallmeister in Dresden und seit 1764 Reichsgraf mit Grafenwappen. Durch den "Bierkrieg" 1784 erreichte er gerichtlich, dass sein in Machern gebrautes Bier zwar nicht in seiner Stadtmühle in Wurzen, wohl aber in seiner zu Wurzen gehörenden Neumühle (s. o.) an die Mahlgäste  ausgeschenkt werden durfte. Graf Heinrich Gottlieb von Lindenau ließ 1785 durch den sächsichen Baukondukteur Ephraim Wolfgang Glasewald für die Stadtmühle neue Gebäuden errichten mit 2 Mahlmühlen, jede mit 6 Mahlgängen nebst darin befindlichen Öl- und Schneide- und Walkmühle. Dabei wurde am Hauptportal ein Türsschlussstein mit seinem Grafenwappen als Zeichen des Besitzes eingebaut.

1787 wurde Christian Friedrich Küttner Besitzer der Neumühle. Es ist möglich, das dieser auch die Stadtmühle vom Lindenau-Grafen erworben hat. Es folgten noch mehrere Besitzerwechsel, ehe dann 1854 die Stadtmühle und 1871die Neumühle  in den Besitz von Friedrich Krietsch überging. 1887 brannte die Neumühle ab und wurde nicht mehr zum Mahlen aufgebaut. Die letzten Mauerreste von ihr beseitigte man erst 1993 . Unter Krietsch machte die Stadtmühle eine glanzvolle Entwicklung durch, die auch der Brand im Oktober 1917 in den darauffolgenden Jahren nicht lähmte.

Der aus der Asche geborgene Türschlussstein      Das Wappen von Graf  H. G. von Lindenau
 der Wurzener Stadtmühle mit dem Wappen      über dem Eingangsportal von Schloss Machern
               des Grafen H. G. von Lindenau                                     (zum Vergleich)

Aus der Brandasche der Stadtmühle wurde 1917 der stark in Mitleidenschaft gezogenen Türschlussstein mit dem stark beschädigten Lindenauischem Grafenwappen geborgen (s. Bild o. l.). Er befindet sich als Exponat im Keller des Kulturgeschichtlichen Museums von Wurzen und kündet dort (allerdings immer noch falsch beschriftet) von dem Macherner Ritterguts- und Wurzener Amtsmühlenbesitzer Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, also vom "Macherner Landgraf" und "Wurzener Mühlengraf", der ebenfalls ehrend und spaßhaft zugleich noch als "Sächsischer Pferdegraf" (Oberstallmeister), "Dresdener Thierarzneigraf" (Begründer der Thierarzneischule)  und "Leipziger Weingraf" (Besitzer von Auerbachs Hof) bezeichnet werden kann.




Machern, 25. 11. 2004 /Prof. Dr. Heinz Mielke