Küstlerinnen in Machern

Künstlerinnen in Machern

Freude, großes Gefallen und Zufriedenheit werden ausgelöst, wenn der Bevölkerung künstlerische Arbeiten zur Schau und zur Diskussion oder zum Verkauf gestellt werden. Auch in Machern ist das so. Man konnte es in den vergangenen Jahren immer wieder auf Ausstellungen im Schloss und anderswo beobachten. Ein Kunsterlebnis besonderer Art war am 3. Oktober 2002 in Machern die Einweihung des neuen Brunnens mit Ortsgeschichtstafeln auf dem Schloßplatz vor dem Rathaus, der von der Macherner Künstlerin Maria-Petra Döring künstlerisch konzipiert und geschaffen wurde.


Der neue Brunnen in Machern

Es ist kein Geheimnis, dass in Machern eine ganze Reihe von Künstlerinnen heimisch und schöpferisch tätig ist, die an dem anfangs Ausgeführten großen Anteil hat. Und deshalb soll über sie hier kurz berichtet werden. Zuvor aber noch ein Rückblick in die Vergangenheit, wo eine talentierte Künstlerin aus Machern bemerkenswerte Malereien und Zeichnungen entstehen lies. Es war Gertrud Pantenius, die in den 1930er und -40er Jahren als Tochter und Erbin des Leipziger Verlagsbuchhändlers Richard Voigtländer in dessen Macherner Villa im Zeititzer Weg lebte und arbeitete (s. Muldenspiegel 17.11.1997). Das Aquarell "Romantischer Blick durch die Muldengasse zum Wurzener Schloss" (um 1940), das der Autor dieser Zeilen in einem Macherner Zuhause kennengelernt hat, stammt von ihr, wie vieles andere auch.

Maria-Cornelia Felsch

Sie wurde1954 geboren und kam als freischaffende Künstlerin aus Halle nach Machern. Seit ihrer Ausstellung "Metall/Schmuck/Design" im Jahre 1997 in den Räumen von Schloss Machern steht die große "Schnecke", ein bedeutendes Kunstwerk von ihr, im Schlosshof zur Schau (s. Gemeindblatt Machern Nr.77/ 2001). Der Linolschnitt "Katarina" oder "Verzauberte Eisläuferin im Park zu Machern" ist hier abgebildet.
Wie sieht sich die Künstlerin selbst? Sie schreibt:
"Ich bin gelernter Goldschmied und habe auf Burg Giebichenstein Metallgestaltung studiert. Bei meinem Schaffen liebe ich die Abwechslung, d. h. den Wechsel von Groß und Klein, vom Metall zum nicht metallischen Werkstoff, vom harten zum weicheren Material, dadurch bedingt die Anwendung unterschiedlicher Handwerkstechniken. Es interessieren mich sowohl figürliche als auch abstrakte Formen, der Wechsel und das Verbinden beider miteinander. Auf diese Weise ist die künstlerische Arbeit für mich immer wieder ein Erlebnis. Die Umsetzung einer Idee ist ein Entwicklungsprozess, der Neugier weckt und gespannt sein läßt auf das Ergebnis."

"Katarina" oder "Verzauberte Eisläuferin im Park zu Machern" von Maria-Cornelia Felsch,
Linolschnitt, 2001

Maria-Petra Döring

Sie wurde 1965 geboren und lebt in Leipzig, arbeitet aber als Bildhauerin im Atelier in ihrem Macherner Geburtshaus. Bevor sie an der Hochschule für Kunst und Design auf Burg Giebichenstein ein Studium absolvierte, hatte sie zwei handwerkliche Ausbildungen abgeschlossen, nämlich die zur Kfz-Elektrikerin und zur Keramikerin. Seit 1998 befasst sie sich freischaffend künstlerisch mit verschiedenen Objekten besonders unter Verwendung von Keramik und Porzellan. Beim Macherner neuen Brunnen kommt Sandstein und Bronze als Material hinzu. Es wird dies ihre zweite künstlerische Brunnengestaltug nach 2000 fertiggestellten "Wasserkaskade" auf dem Eutritzscher Markt in Leipzig
Auf die Frage, wie sie ihre Arbeit selbst sieht, sagt sie:
"Meine künstlerische Arbeit besteht in der Gestaltung von Räumen und Raumobjekten, im kleinem und großem Maßstab. So behandle ich meine keramischen Objekte und Skulpturen mit der gleichen Sorgfalt und Intensität wie einen Marktbrunnen. Das Material, mit dem ich arbeite, wird dabei von der Thematik bestimmt. Ton gehört zu meinen Lieblingswerkstoffen. Er ist jedoch neben Porzellan, Papier, Sandstein oder Bronze nur ein Ausdrucksmittel."

Haike Espenhain

Sie wurde 1967 geboren und übersiedelte mit ihrer Familie 1996 von Borsdorf nach Machern. Im Jahre 2000 zeigte sie hier im Kavalierhaus in ihrer 3. Ausstellung ein Feuerwerk von Kunstwerken in Aquarell und Öl. Im Gemeindeblatt Machern Nr.74/2001 heben die 4 Vignetten von ihr den "Ruhm von Machern" auf besondere Weise hervor.
Wie sieht sich die Künstlerin selbst? Sie führt dazu aus:
"Durch verschiedene Allergien bedingt, konnte ich ab 1991 nicht mehr in meinem Beruf als Goldschmied arbeiten. Ich widmete mich seitdem besonders dem Malen nach der Natur. Es entstanden Bleistiftzeichnungen, Aquarelle und Arbeiten auf Seide. Gelegentliche Ausflüge in die Pastellmalerei blieben selten. Dafür entwickelte sich bei mir der Umgang mit Ölfarben zunehmend zu einer neuen Leidenschaft. Naturalistische Darstellungen ziehe ich der abstrakten Malerei vor. Mein Anliegen ist es, die naturgegebenen Schönheiten aufzuzeigen als Aufforderung zum Nachdenken und genauen Hinschauen. Deshalb zeigen meine Bilder vor allem florale Motive und Landschaften."

Constanze Hirsch

Sie wurde 1951 geboren und lebt seit 1993 in Machern. Schon als Schülerin nahm sie bei prominenten Lehrern Malunterricht und besuchte die Malakademie Dresden. Es folgten in Leipzig das Studium der Kunsterziehung/Kunstgeschichte und die berufliche Tätigkeit als Kunsterzieherin, wobei sie seit 15 Jahren in Leipzig ein ganzes Gymnasium im Fach Kunst unterrichtet. Ihre Freizeit gehört überwiegend der Malerei. Sie bevorzugt Öl, Tempera, Collagen und im Freilicht Öl und Kreide. Von ihren Ausstellungen fanden zwei im Schloss zu Machern statt. Ihr Ölgemälde "Park Machern im Winter" entstand vor zwei Jahren und ist hier abgebildet.
Wie sieht die Künstlerin sich selbst? Sie meint:
"In meiner Kunst bin ich nicht festgelegt, weder in Art noch im Stil. Die Chance, mich immer wieder neu auszuprobieren, die Vielseitigkeit zu profilieren - dieser Weg ist mein eigentliches Ziel, meine Stärke. Ich stelle hohe Anforderungen an mich selbst, fordere sie allerdings auch ab. Die Umsetzung von "Wirklichkeit" in bildnerische Formen basiert auf unterschiedlichen Konzepten. Meine künstlerischen Äußerungen sind nicht Abbild der Wirklichkeit sondern Ausdruckträger selbst. Die interessante Landschaft des Muldentals, nordische Landschaften, wie die Insel Hiddensee, Stillleben sowie figürliche Malerei bilden den Fundus meiner Motive."

"Park Machern im Winter" von Constanze Hirsch,
Öl, 2000

Ingeborg Steppuhn-Gruhle

Sie wurde 1928 geboren und lebte lange Zeit in Leipzig, wo sie in jungen Jahren die Schule für das Kunsthandwerk im Fach Bildhauerei und Kleinplastik absolvierte. Schon bevor sie ihren Wohnsitz 1995 nach Machern verlegte, besaß sie hier im Waldwinkel ein Gartenhaus, in dem sie sich ein Atelier eingerichtet hatte. Sie war künstlerische Mitarbeiterin in einem Verlag, freischaffend auf dem Gebiet der Grafik und des Scherenschnittes sowie der Buchillustrationen tätig und fertigte Entwürfe und Modelle für das Kunsthandwerk an. Zwischenzeitlich schloss sie ein Studium im Bereich der künstlerischen Textilgestaltung ab und übte eine freiberufliche Lehrtätigkeit in der Weiterbildung von Arbeitstherapeuten in den Gewerken Knüpfen, Weben und Dekorgestaltung aus. Ihre eigene künstlerische Arbeit fand in einer Reihe von Ausstellungen im In- und Ausland große Beachtung.
Über sich selbst führt sie aus:
"Ein wichtiges Anliegen war für mich, auch bei Laien die Freude an künstlerisch-schöpferischer Tätigkeit zu wecken und Kenntnisse weiterzugeben, um eine breite Entwicklung der Volkskunst im Freizeitbereich durch Kurse und Lehrgänge für Erwachsene und Kinder zu schaffen. Besonders die Arbeit mit Kindern lag mir allzeit am Herzen, die mit viel Begeisterungsfähigkeit in den Keramikkursen im Macherner Kinder- und Jugendhaus modellierten und töpferten. Ich freue mich immer wieder über Besuche meiner einstigen kleinen Schüler. Wenn ich an der Töpferscheibe sitze, dürfen sie gern einmal mitmachen."



Machern, 09. 12. 2002/Prof. Dr. Heinz Mielke