Kunstmaler in Machern
Nach länger andauernden und leider nicht immer zufriedenstellenden Recherchen kann jetzt  über weitere 8 Kunstmaler und Grafiker aus Machern berichtet werden, nachdem dort schon 2002  über die Macherner Bildermacherinnen  Gertrud Pantenius, Maria-Cornelia Felsch, Maria-Petra Döring-Ondrej, Haike Espenhain, Constanze Hirsch und Ingeborg Steppuhn-Gruhle,  über Georgine Hammer und   über Bruno Hèroux geschrieben worden war.

Richard Rudolph
(24. 1. 1889 – 18. 10. 1959)

Geboren in Crimmitschau, hatte er in Leipzig und Düsseldorf an den Kunstakademien studiert und  war danach als Grafiker und Kunstmaler tätig. In den 1930er Jahren kam er nach Machern und ließ sich im Waldwinkel (Fichtengang)  vom Macherner Architekten Albin Fischer ein Haus in Art des Bauhausstils errichten. Die Rudolphs hatten zwei Söhne und eine Tochter. Frau Rudolph  wohnte bis 1980 in dem Haus im Fichtengang. Die beiden Söhne sind verstorben. Die Tochter der  Tochter, also die Enkelin, ist  Helga Röher. Sie hat dem Autor dankenswerter Weise einige Bilder geschickt und in dem Brief über ihren Großvater geschrieben: "Für mich war er ein großartiger Künstler. Er war immer sehr bescheiden in seiner Art, und wir Kinder haben ihn sehr geliebt. Nach dem Krieg sollen viele seiner Bilder nach Amerika verschwunden sein." Mehrere sind aber auch in Machern verblieben. Darunter das schöne Gemälde "Tulpenbaumallee im Park zu Machern" (s. Bild). Es wurde  beim Einrichten der Dienstzimmer im neu erbauten Rathaus 1997 von Frau Dietrich aus den Fundus des Macherner Schlossarchivs (ehemalige Heimatstube) ausgewählt und hängt seitdem im Zimmer der Abteilung Liegenschaften.



                                                                                          "Tulpenbaumallee im Park zu Machern"
                                                                                                  (Richard Rudolph, 1953)
 
 

Heinz Eberhard Strüning
(2. 5. 1896 – 11. 3. 1986)

Er hatte in Dresden und Kassel an den Kunstakademien studiert und war als Kunstmaler, Schriftsteller und Hochschuldozent in Leipzig tätig gewesen. Seit 1937 bis an sein Lebensende wohnte er in Machern (Haus "Sonnenfang" im Schwarzem Weg). Ein zunehmendes Augenleiden führte 1984 zu seiner Erblindung. 1986 fanden in Leipzig (Oktober) und Wurzen (November) Gedächtnisausstellungen seiner Kunstwerke statt. Er ist eine Malerlegende.

(Fotoaufnahme:
Volkhard Wilhelm)

Über sein Leben und Schaffen wurde wiederholt berichtet, so im Rundblick 1976 (Heft 1) und 1987 (Heft 2) sowie in der Leipziger Volkszeitung (22. 12. 2002) anläßlich einer Ausstellung der Universitätskustodie in der Galarie des Hörsaalbaues der Universität Leipzig. In dem letztgenannten Bericht schreibt Peter Guth, dass Strüning  ein Beau, ein Elegant, war, der auffiel. Er achtete auf tadellose Kleidung, korrekte Schleife oder Krawatte. Er lebte in einer völlig eigenen Welt: die Außenwelt war Anregung für Kunst, aber nicht Streitobjekt. Man rechnet Strüning zu den expressiven Realisten. Aus dem Rundblick 1987 erfährt man: "Strüning wählte oder liebte Aquarell- oder Pastellfarben, weil er seine Bildumsetzungen durch sie am reinsten realisieren konnte. Er sagt über sich selbst: Ich schaffe aus dem Vollen, weil ich erfüllt bin bis obenhin mit dem, was ich gestalten will. Es gibt nur ein Gesetz für mich: Gestalten bis zum letzten, dafür lebe ich. Das ist mein künstlerisches Postulat, mein inneres Gesetz."
Die Leipziger Uni-Kustodie hat 1986 einen kleinen Katalog seiner Werke herausgegeben. Viele davon sind in Universitätsbesitz wie das Schwanenbild (s. u.). Ein anderes Werk von Strüning hängt seit 1997 im Bürgermeisterzimmer des Macherner Rathauses: "Bäume". Es stammt aus dem schon erwähnten Fundus des Schlossarchivs.


"Schwäne" (undatiert, Kohlezeichnung über Pastellfarben)
von Heinz Eberhard Strüning,  im Kunstbesitz der Universität Leipzig.
(Aufnahme: Karin Kranich)
 
 

Willy Gelbke
(24. 6. 1900 – 16. 11. 1983)

Er stammt aus Delitzsch und lebte seit Ende der 1950er Jahre als Lebensgefährte von Marta Böhm in Machern (Zeititzer Weg), wo er auch sein Atelier hatte. Zeichnerisch war er sehr begabt und malte hier in Machern fleißig Bilder mit den verschiedensten Motiven für den gängigen Verkauf, besonders für die "gute Stube", wie z. B. "Hirsch im Wald" oder auftragsgebunden, wie "Schafherde in Polenz" (s. u.). Ein Foto von ihm stellte seine Stiefenkelin Beate Siegert, geborene Böhm dankenswerter Weise zur Verfügung. Man sieht ihn darauf bei Kaffee und Torte auf der  Schlossterrasse. Sie schreibt dazu: " Ich mag das Bild sehr. Ich erkenne darin seine Freude am Genuß und an den schönen Dingen des Lebens wieder." Willy Gelbke wurde in Machern am 22. 11. 1983 beigesetzt.

 (Foto:  Privatbesitz)
 
 





"Schafherde in Polenz"  von Willy Gelbke, gemalt für Schäfermeister Fritz Bernhard aus Polenz; jetzt in andererem Privatbesitz.
 (Aufnahme: H. Mielke)    Für die Kontaktvermittlung sei gedankt Maritta Schulze und Karin Krause.

Walter RoscH
(3. 7. 1900 - 25. 1. 1975)


In Leipzig geboren und ausgebildet, arbeitete er als Kunstmaler dort in seinem Atelier, das bei dem großen Luftangriff 1944 völlig ausbrannte. Danach hat er keine Ölbilder mehr gemalt. Das undatierte Bild "Skalare" (s. u.) entstand also vorher. Die Familie Rosch wohnte seit 1932 im Waldwinkel (Fichtengang). Sie hatten einen Sohn, der 1950 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, und zwei Töchter. Die eine, Regina Berchem, stellte dankenswerter Weise  Bilder und Angaben über ihren Vater zu Verfügung, der nach 1945 in Nürnberg Glasfenster für die katholische Kirche und für große Gebäude, z. B. für Banken entworfen hat.

          (Foto: Privatbesitz)

                                                                           "Skalare" von Walter Rosch (Privatbesitz)

Ab 1952 malte er etwa 15 Jahre lang politische Karikaturen für die Rheinische Post und Zeichnungen für den Rowohlt Taschenbuchverlag (rororo), wie die Umschlagsbilder zu den Lene-Voigt-Ausgaben "Säk'sche Glassiker" und "Säk'sche Balladen" (s. u.). Gestorben ist er in Löffingen.


rororo-Buchcover (gezeichnet von W.Rosch, coloriert von G. Meyer)


Maximilian Vollert

(4. 4. 1908 – 1. 3. 1988)

Er wurde in Marienberg geboren und lernte Bankkaufmann. In diesem Beruf arbeitete er bis in
die 1930er Jahre. Danach war er im Erla-Werk in Leipzig/Heiterblick beschäftigt und wurde dann  zum Kriegsdienst eingezogen. Von Kindheit an zeichnete und malte er mit großer Vorliebe. Später bildete er sich autodidaktisch weiter und  machte das Kunstmalen nach 1945 zu seinem Hauptberuf. Er lebte und arbeitete in Leipzig und fertigte Landschaftsbilder, später hauptsächlich Kopien alter Meister an, die in viele Länder verkauft wurden. Mit dem Ölbild "Die Kirche von Machern"  (s. u.) schuf er sich ein Erinnerungsstück an seine dritte Heimat Machern.

Selbstbildnis (Familienbesitz; Aufnahme P. Rößler)

Denn seit 1946 lebte er mit seiner Familie immer in der schönen Jahreszeit im Wochenendhaus  auf seinem Pachtland "Am Tonloch" in Machern, wo er durch seine große Kleintierhaltung mit Zucht von edlen Siamkatzen sowie durch das ortsbekannte "Badengehen zum Vollert" von sich Reden machte. 2 seiner 3  Kinder gingen in Machern zur Schule. Die Familiengrabstätte der Vollerts befindet sich auf dem alten Friedhof von Machern.


"Die Kirche von Machern" von Maximilian Vollert, 1984 (Familienbesitz)
(Aufnahme: H. Mielke)
 

Walter Tröger
(5. 3. 1907 - 21. 6. 1969)

Er wohnte in Machern (Tiergartenweg) und hatte in Leipzig ein Atelier. Besonders in den 1950er und 1960er Jahren war er als produktiver Maler und Grafiker, aber auch als Sportbegeisterter in der Freitagskeglerrunde in Machern bekannt. Seine künstlerische Vorliebe galt der Porträtmalerei, wie es seine Hinterlassenschaften nachdrücklich kund tun. So hängen im Macherner Schlossrestaurant drei seiner Selbstbildnisse  (eins davon s. Bild l.). Dank gebührt  Ekkehardt Möller aus Wurzen, der das Porträt von Emil Kleine, einem Macherner Gemeindearbeiter, als Foto zur Verfügung stellte (Bild) und den Gringmuths, die mit dem von Walter Tröger 1968 gemalten Geschäftsplakat  auch ein schönes Andenken an den Künstler bewahrt haben.
 

Walter Tröger
(Selbstbildnis)

                                                                     
                                                                      Plakat gefertigt von Walter Tröger         "Emil Kleine" von Walter Tröger
                                                                                     (Privatbesitz)                                          (Privatbesitz)

Paul Walther
(16. 4. 1921 - 3. 10. 1997)

Er war gebürtiger Westfale, der als Kind mit den Eltern nach Wurzen übersiedelte, wo er später in der dortigen Teppichfabrik eine Ausbildung als Musterzeichner erhielt und als solcher tätig war. Nach dem Krieg 1945 arbeitete er an verschiedenen Orten und in verschiedenen Berufen, auch als Bergmann im Erzgebirge bei der "Wismut". Er liebte das Malen weiterhin sehr. So portraitierte er dort auch "Bergleute unter Tage". Schon ab den 1960er Jahren befasste er sich mit dem Siebdruck und schuf damit viele wertvolle Bilder. Sein Hauptinteresse galt aber dem "schnellen" aquarellieren von Landschaften und Blumen. Nachdem er 1994  seinen Wohnsitz von Wurzen nach Machern in den "Schloßblick" verlegt hatte, wurde er hier nicht nur schnell und allseitig als radfahrender "Naturbursche" sondern auch als begabter Künstler bekannt, besonders durch die Ausstellung seiner Werke im Oktober 1996 im Schloss zu Machern. Seinen Nachlass verwaltet heute seine Tochter  Helia  Müller.                   
                                                                                                                                                                                        (Foto: H. Mielke)





"Landschaftsschutzgebiet Mulde bei Dehnitz"
 (Aquarell von Paul Walther, 1972)

 
 

Werner Gruhle
(geb. 10. 1. 1926)

Er wurde in Leipzig geboren und lebte dort bis 1995. Dann zog er mit seiner Frau Ingeborg Steppuhn-Gruhle in den "Schloßblick" nach  Machern, wo sie schon seit den 1950er Jahren durch ihren Gartenbesitz am Zeititzer Weg mit dem Ort verbunden sind. Während seiner Lehre zum Farbenlithografen  hat sich Werner Gruhle mit den Grundlagen der Farbenlehre und den verschiedenen Maltechniken vertraut gemacht. Er war und ist ein Hobby-Kunstmaler geblieben. Nach 1945 arbeitete er in Leipziger Reproduktionsanstalten  und befaßte sich dort mit Gemäldereproduktionen. Später studierte er  an der Ingenieurschule für Polygrafie in Leipzig. Nach einem wirtschaftswissenschaftlichem Fernstudium war er als Dozent an der Ingenieurhochschule und der Technischen Hochschule von Leipzig für Betriebswirtschaft tätig. Im Rentenalter widmet er sich wieder verstärkt der Porträt- und Aquarellmalerei (Landschaften, Heimat- und Reiseimpressionen), leitete künstlerische Arbeitsgemeinschaften in Leipzig und im Kinder- und Jugendhaus von Machern und ist im künstlerischen Schaffen bemüht, Atmosphäre und Stimmungen  wiederzugeben. Das obige Foto von Werner Gruhle machte H. Mielke 2005 in dessen Wohnungsatelier.

(Foto: H. Mielke)



        "Südstraße in Machern" 
       (Aquarell von Werner Gruhle)

                                                                                                    

       
     "Ritterburg in Machern"
   (Aquarell von Werner Gruhle)



Horst Kniesche
(16. 3. 1929 - 17. 4. 2006)

Über ihn berichtete mit Bild  Ingrid Hildebrand in der LVZ/Muldentaler Kreiszeitung am 14./15. 6. 2003 ausführlich. Er ist Pädagoge und Hobby-Maler, der sein Rüstzeug dafür im Fernstudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam und im Abendkurs an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig erworben hat. Er wohnte in Machern (Neumarkt). Alle 4-5 Monate schmückte er das Gemeindeblatt Machern mit einem neuen Heimatortsmotiv. 28 sind es schon an der Zahl seit der Nr. 17, die im April 1996 erschien. 2 davon sind hier abgebildet, von Nr.114 (Mai 2004) und Nr.97 (Dezember 2002) (v.l.n.r.):


 Machern, Brandiser Straße               Püchau, Hohle Straße


Machern, 29. 08. 2005/Prof. Dr. Heinz Mielke
Aktualisiert: 14. 01. 2009