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Die Welt der Wunschkuh Surabhi.
Indische Farbendrucke um 1900.

Eine Ausstellung der Kustodie und
des Instituts für Indologie und Zentralasienwissenschaften
der Universität Leipzig

GALERIE IM HÖRSAALBAU
21. Juni bis 31. Juli 2003

Montag 12 - 17 Uhr, Di - Fr 9.00 - 17.00 Uhr
Samstag 9.00 - 12.00 Uhr

Einführung
Führungen, Vorträge, Film
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Die Welt der Wunschkuh Surabhi

Die Darstellung von Göttern, Heiligen und Helden beschäftigte die indische Kunst seit Jahrhunderten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert nahm sich auch die lithografische Industrie dieses Gegenstandes an: Nach originalen Kunstwerken wie Zeichnungen und Ölgemälden entstanden Farbendrucke, die nicht nur in Indien, sondern auch in Deutschland hergestellt wurden. Die durch Farbigkeit und Unterschiedlichkeit der Stilmittel bestechenden Blätter vermitteln ein Bild indischer Alltagskunst im Spannungsfeld traditioneller Religion und zeitgenössischer Bildsprache. Die in großen Stückzahlen hergestellten Drucke wurden auf Märkten und an Pilgerzentren vertrieben; man schmückte damit Wände oder ergänzte die Ausstattung von Hausaltären. Einst ein erschwingliches Massenprodukt, haben diese Drucke mittlerweile Seltenheitswert. Die Ausstellung zeigt sechzig Blätter aus Beständen der Universität Leipzig und des Museums für Völkerkunde in Dresden.Kunst für den Alltag
Nachdem Farbendrucke lange Zeit als Trivialkunst gering geachtet wurden, ist ihr Wert als ein Element der Alltagskultur heute weithin anerkannt. Als industriell gefertigte Reproduktionen sind sie wertvolle Zeugnisse für Zeitgeschmack, Bildungsbedürfnis, Mentalität ihrer Käufer oder deren Wohnkultur. Auch Geschichte, Profil und Geschäftsbeziehungen der Herstellerfirmen sowie Entwicklungen der Drucktechnik lassen sich an ihnen ablesen.


Der Weg in die Moderne


Farbendrucke stehen am Ende einer Entwicklung indischer Kunst, die oft als „Westernization from below“ bezeichnet wird. Sie beginnt um 1850, als sich indische Maler in Kunstschulen der East India Company europäische Stilmittel und Techniken, darunter Perspektive und Ölmalerei, aneigneten, welche die indische Kunsttradition nicht lehrte.


Die sogenannte „Company Art“, die technisch von Zeichnung, Stich und Aquarellmalerei bestimmt wurde und den Geschmack der Engländer bediente, verlor ab Mitte des 19. Jahrhunderts ihre dominierende Stellung. Im Milieu des indischen Adels und des aufstrebenden Stadtbürgertums entstand nun ein neuer Künstlertyp, der „gentleman artist“, der sich technisch der neoklassizistisch-viktorianischen Ölmalerei und thematisch der indischen Tradition verpflichtet fühlte. Mythologische Sujets wurden in idyllisch-idealen Landschaften theatralisch inszeniert, wobei man dem Betrachter das Gefühl gab, unmittelbar in das Geschehen einbezogen zu sein.


Die neue Bildsprache verlieh der Welt der Götter und Helden die Faszination des zwar Idealen, aber auf einer Zeitebene mit dem Betrachter Existierenden. Dieses Erleben der Götter- und Heldengeschichten wurde noch dadurch verstärkt, dass die meist rührend-gefühlvollen Szenen die Welt der Reichen widerspiegelten. Gleichzeitig wurden die ikonographischen Konventionen streng beachtet. Erstmalig vermittelte die Malerei nun den Reiz der Sanskrit-Kunstdichtung, indem Kunstfertigkeit und Ästhetik der Form Stimmungen erzeugten, die mitzuempfinden für den Betrachter den Gipfel ästhetischen Vergnügens darstellten. Die als nationaler Wert empfundene mythologische Vergangenheit wurde plötzlich in einer visuellen Sprache lebendig, der man nicht mehr den Vorwurf der Primitivität oder des bloß Folkloristischen machen konnte.


Die Farblithographie ermöglichte ab 1880 die Verbreitung der Werke von Künstlern wie B. P. Banerjee und Ravi Varma: Sie betrieben die drucktechnische Vermarktung ihrer Bilder, die sie in eigenen Firmen oder in Deutschland reproduzieren ließen. In der ersten Phase der Unabhängigkeitsbewegung verdankten die Kunstwerke ihre Popularität auch ihrer Vermittlerrolle für nationales Gedankengut. Sie ist auf der Ebene der calender art bis heute ungebrochen.


Vorlagen für Farbendrucke waren neben Ölgemälden auch weiterhin von den Company-Zeichnungen und der volkstümlichen Basar-Kunst geprägte Kompositionen. Wie die „Wunschkuh“ zeigt, konnten sie sowohl religiöse als auch propagandistische Funktion haben und auf Zeitereignisse wie die Krönung von Georg V. zum Kaiser von Indien reagieren. Die Farbendrucke spiegeln die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der indischen Kunst ihrer Zeit.


Die Sammlungen

Gezeigt werden indische Farbendrucke der Universität Leipzig und des Museums für Völkerkunde in Dresden: Beide Sammlungen liefern neues Material für die Geschichte des Farbendrucks und die indische Kunst um 1900. Die 49 Drucke aus dem Nachlass von Johannes Hertel, Ordinarius für Indologie an der Universität Leipzig von 1914 bis 1937, stammen vermutlich aus den Kunstanstalten May AG Dresden. Im Auftrag indischer Vertriebsgesellschaften in Deutschland hergestellt, belegen sie einen wenig bekannten Aspekt der Firmengeschichte.
Die 11 Drucke aus dem Bestand des Museums für Völkerkunde entstanden um 1880 in der ältesten Kunstdruckanstalt Indiens, dem Calcutta Art Studio, gegründet 1862. Als Teil der Schenkung des Musikwissenschaftlers und Kunstmäzens Raja Sourindro Mohun Tagore, einem Vetter Rabindranath Tagores, gelangten sie 1882 nach Dresden.


Die Ausstellung entstand aus der Zusammenarbeit des Instituts für Indologie mit dem Museum für Völkerkunde Dresden. Der unveröffentlichte Bestand wurde im Rahmen eines Seminars und studentischer Praktika bearbeitet. Ein Katalog ist in Vorbereitung.

Maria Schetelich
Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften
maschet@uni-leipzig.de

 


 



Programm (PDF 300KB)

 

Führungen · Vorträge · Film

Führungen (ab 28.06.) jeden Samstag ab 10 Uhr und nach Vereinbarung

2.7., 18 Uhr, Vortrag (Maria Schetelich)
Die Welt der Wunschkuh Surabhi. Indische Farbendrucke.
Ort: Weller-Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage

9.7., 20 Uhr, Fritz Langs Indienfilme
Der Tiger von Eschnapur, BRD/I/F 1958Das indische Grabmal, BRD/I/F 1959
Ort: Hörsaalbau

16.07., 17 Uhr, Vortrag (Frank Neubert)
Johannes Hertel als Wissenschaftler und Privatperson. Biographische Notizen.
Ort: Weller-Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage

19.07., 19 Uhr, Konzert: „Klassische indische Ragas“
Makoto Kitado (Sitar) und Robert Siegfried (Tabla)
Ort: Galerie im Hörsaalbau

30.7., 18 Uhr, Vortrag (Maria Schetelich)
Sourindra und Rabindranath – die Tagorefamilien von Calcutta.
Ort: Weller-Bibliothek des Instituts für Indologie, Schillerstraße 6, 1. Etage


 



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