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Zeichnung Industrielandschaft auf farbigem Grund
RAW Engelsdorf. 1964, Rohrfederzeichnung
(Nachlass Hans Schulze)

Holzstich
Der Frosch. um 1955, aus der Holzstich-Folge
"Historia naturalis".
(Kunstbesitz der Universität Leipzig)

Gemälde
Messembria. 1964, Öl auf Hartfaser
(Kunstbesitz der Universität Leipzig)

Reisezeichnung
Kleine Kapelle in Sosopol III. 1964, Rohrfederzeichnung
(Nachlass Hans Schulze)

 

Hans Schulze (1904-1982)
Künstler und Lehrer

27. September bis 23. November 2002
Ausstellung zum fünfzigjährigen Jubiläum des Institutes für Kunstpädagogik der Universität Leipzig

im Ausstellungszentrum Kroch-Haus
Eintritt: 1,50 Euro, ermäßigt 1,00 Euro

Öffnungszeiten
Di, Do, Fr: 10.00 - 17.00 Uhr
Mi: 12.00 - 17.00 Uhr
Sa: 10.00 - 13.00 Uhr

Obschon wahrscheinlich einer der bedeutendesten Künstler seiner Generation im mitteldeutschen Raum, ist Hans Schulze bislang nur einer eingeschränkten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Gründe hierfür waren möglicherweise nicht zuletzt weltanschauliche: Beeinflusst von der literarisch geprägten Atmosphäre des George-Kreises betrachtete er jegliche doktrinäre politische Bestrebungen mit Skepsis, nationalsozialistische ebenso wie sozialistische. Doch auch diese "Verweigerung" hatte ihren Preis: Als Künstler blühte er Zeit Lebens weitgehend im Verborgenen und im Jahre 1958 trat er unter nicht näher geklärten Umständen vom Amt des Direktors des - von ihm gegründeten - Instituts für Kunstpädagogik der damaligen Karl Marx-Universität Leipzig zurück. Seine Lehrtätigkeit jedoch konnte er auch nach seinem Rücktritt fortsetzen, so dass er insbesondere auf pädagogischem Gebiet eine außerordentliche Wirkung entfaltete. Zahllose Kunstpädagogen, Künstler und Kunsthistoriker wurden von ihm beeinflusst. Dabei gründete sowohl sein künstlerisches als auch sein pädagogisches Wirken auf ungemein weitgespannten geistigen Interessen auf den Gebieten Kunstgeschichte, Philosophie und Literatur.
Seine eigene künstlerische Ausbildung an der Breslauer Akademie, u. a. bei Alexander Kanoldt, Paul Holz, Otto Mueller und Oskar Moll, hatte ihm vielfältige Impulse vermittelt. So setzte er das dort angeregte zeichnerische Naturstudium Zeit Lebens unter verschiedenen Fragestellungen fort, wobei er entsprechende Studien im Zuge der Ausführung sowohl in Richtung Abstraktion als auch in Richtung fantastischer oder surreal inspirierter Kompositionen weiterentwickelte. Zugleich legte die ihn kennzeichnende Nachdenklichkeit eine vertiefte Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen menschlicher Existenz nahe, die er in mythologisch und literarisch inspirierte Formen kleidete. Besondere Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang Gedichte Georg Trakls oder Charles Baudelaires, die er in eigenwillige Bilder übersetzte. Schulzes rastlose künstlerische Tätigkeit ging zudem mit ausgeprägten kunsttechnologischen Interessen einher, was sich auch in der außerordentlichen Vielfalt der verwendeten malerischen, zeichnerischen und grafischen Techniken sowie in verschiedenen Publikationen zum Thema Druckgrafik widerspiegelt.

Entsprechend weitgespannt war der Kreis der von Schulze unterrichteten Fächer, der neben Zeichnen und Maltechnik auch Farbtheorie und kunsthistorische Überblicksvorlesungen umfasste. Eine zentrale Rolle für die studentische Ausbildung spielten neben zahllosen kunsthistorischen Exkursionen die alljährlich veranstalteten künstlerischen Praktika, u. a. im Erzgebirge, auf der Insel Rügen, im Mansfelder Land und auf der Mecklenburger Seenplatte, auf denen intensiv nach der Natur gezeichnet wurde. Aber auch private Reisen u. a. nach Bulgarien, standen im Zeichen künstlerischer Arbeit.

Schulzes Werk ist Zeugnis einer großen geistigen Unabhängigkeit, die trotz verschiedentlich aufscheinender Bezüge etwa zur Malerei der Neuen Sachlichkeit oder des Surrealismus, eine eigenständige Position fern der großen Strömungen verkörpert. Mittels einer reichen Auswahl an Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken, v. a. aus seinem Nachlass, dem Museum der Bildenden Künste Leipzig und privater Leihgeber, sucht die Ausstellung einerseits Schulzes künstlerische Entwicklung nachzuzeichnen und andererseits sein - eng damit verknüpftes - Wirken als Lehrer in den Blick zu fassen. Persönliche Gegenstände, darunter seine Staffelei, Briefe und Tagebücher, sowie Lehrmittel, darunter Pigmente, Naturalien, Vorlesungsmanuskripte und Publikationen komplettieren das Bild.

   

Biografie

Hans Schulze (1904-1982)

 

1904
am 3. März in Dittersbach (Schlesien) geboren, Vater Reichsbahnoberamtmann

1911-1923
Schulausbildung: nach Privatunterricht und Privatschule ab 1913 Besuch des Realgymnasiums in Liegnitz, wo er mit dem Abitur abschloß

1923-1929
Studium an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau bei Alexander Kanoldt, Paul Holz, Otto Mueller, Oskar Moll und Konrad von Kardorff

1929
Examen für das künstlerische Lehramt an höheren Schulen an der Staatlichen Kunsthochschule Berlin, dann Referendariat am Breslauer Provinzialschulkollegium

1929-1931
Pädagogische Ausbildung und Assessorprüfung in Breslau

ab 1930
über Marianne von Heereman Kontakt zum Stefan-George-Kreis in Berlin, wo er wichtige geistige Impulse erhielt

1931-1932
Tätigkeit als Zeichenlehrer in Striegau

ab 1932
Lehrer in Reichenbach (Oberlausitz) an der Staatlichen Aufbauschule

1935
Heirat mit Elfriede Stelzer

1936
Geburt der Tochter Sabine

1939-1945
Soldat im Zweiten Weltkrieg (Polen, Russland, Frankreich, Österreich). In Wien- geistig nachhaltiger Einfluß der Künstlergruppe um Herbert Boeckl, nach Kriegsende als Flüchtling in Niederbayern

ab 1946
Rückkehr nach Reichenbach, dort Ausbildung von Neulehrern, Lehrer an der Oberschule, Leitung der Volkshochschule

1948
Habilitation an der Pädagogischen Fakultät der TH Dresden auf der Basis seines künstlerischen Werkes, Antrittsvorlesung mit dem Thema Die Krise der Darstellungsfreudigkeit in der Pubertät und ihre Überwindung, anschließend mit dem Aufbau der Kunsterzieherausbildung beauftragt

1950
Berufung an die Universität Leipzig

1951
Ernennung zum Fachrichtungsleiter für Kunsterziehung

1952
Gründungsdirektor und Abteilungsleiter des Institutes für Kunsterziehung der Universität Leipzig

1954
wissenschaftlicher Beirat für Kunsterziehung beim Staatssekretariat

1955
Promotion an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig mit einer Arbeit über Die Bewertung der Farbe als Mittel der bildnerischen Gestaltung [...] in der ästhetischen Literatur [...] von der Mitte des 18. bis zu Beginn des 19. Jh.
Verschiedene Auszeichnungen, darunter Nadel und Plakette des Deutschen Friedensrates, Johannes R. Bechermedaille in Silber sowie die Pestalozzimedaille

1958
Anhaltende Diskussionen im Lehrkörper über Inhalte und Methoden bei der Ausbildung für Kunsterzieher führen zum Rücktritt als Institutsdirektor

1964
Ausstellung mit 100 Werken im Museum der bildenden Künste Leipzig zum 60. Geburtstag. Reisen nach Bulgarien (Tirnowo, Nessebar, Sosopol) und in die ehemalige Sowjetunion
Leiter der Arbeitsgemeinschaft Grafiksammler der Hochschulgruppe des Kulturbundes, Leitung der Kleinen Galerie im Haus der Wissenschaftler der Universität
nach 1969 Emeritus, jedoch fortgesetzte Tätigkeit auf Honorarbasis als außerordentlicher Professor an der Universität Leipzig, überwiegend im Fachbereich Kunstwissenschaft und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

1973
Tod seiner Frau Elfriede

1974
Werkausstellung im Universitätshochhaus Leipzig

1974 /75
Werkausstellung in der Staatlichen Galerie Schloss Georgium Dessau

1978
zweite Ehe mit Jutta Schulze

1979
Werkausstellung im Museum der bildenden Künste

1982
im Juni letzte Vorlesung an der Universität Leipzig

1982
am 7. September gestorben in Leipzig
Gedächtnisausstellung in der Galerie im Hörsaalbau der Universität Leipzig

1994
Ausstellung zum Spätwerk im Ausstellungszentrum Kroch-Haus

 
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