Internationales Kolloquium
"A investigação do português em África, Ásia, América e Europa: balanço e perspectivas" eine Bestandsaufnahme zur portugiesischen Sprachwissenschaft

Portugiesisch rückt als Weltsprache mit ca. 200 Millionen Sprechern und Brasilien als wichtigstem Handelspartner der Bundesrepublik in Lateinamerika zunehmend in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Lusitanistik, das Studium der portugiesischen Sprache und der portugiesischsprachigen Kulturbereiche, an deutschen Universitäten deutlich profiliert: ca. 40 Universitäten bieten Kurse in der Fremdsprache an, an ca. 25 Universitäten kann Lusitanistik als Fach studiert werden.

Bereits in den 80er Jahren fanden an der Universität Leipzig und an der Humboldt-Universität lusitanistische Tagungen statt. Seit 1990 treffen sich Lusitanisten aus der Bundesrepublik, aus der Schweiz und aus Österreich im regelmäßigen Abstand von zwei Jahren zu Kolloquien der deutschsprachigen Lusitanistik am Ibero-Amerikanischen Institut Berlin.

Unter der Leitung der in der Leipziger Romanistik tätigen Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Eberhard Gärtner und Dr. Christine Hundt wurde nun vom 23. bis 27. März 1998 erstmalig ein internationales Lusitanistik-Kolloquium am genannten Institut veranstaltet. Mit 150 Teilnehmern, vorwiegend aus Brasilien, Portugal und Deutschland, aber auch aus Polen und Rußland, wurde das Kolloquium "Die Untersuchung des Portugiesischen in Afrika, Asien, Amerika und Europa: Bilanz und Perspektiven" zur bisher größten Zusammenkunft lusitanistischer Linguisten in Deutschland.

Berlin wurde nicht nur zum Treffpunkt deutscher Lusitanisten mit namhaften brasilianischen und portugiesischen Linguisten, sondern bot auch Portugiesen und Brasilianern untereinander die eher seltene Möglichkeit zu einem intensiven persönlichen Gedankenaustausch.

Breiten Raum nahm in den über 100 Beiträgen (davon allein über 50 aus Brasilien und etwa 25 aus Portugal), die in meist drei parallel arbeitenden Sektionen präsentiert wurden, die Vorstellung laufender Forschungsprojekte ein. Dazu gehören die Erstellung von Korpora des gesprochenen und geschriebenen Portugiesischen sowie eines Kollokationswörterbuches, die Beschreibung diatopischer und diastratischer Varietäten des gesprochenen Portugiesischen am Zentrum für Sprachwissenschaft der Universität Lissabon, das gesamtnationale Projekt brasilianischer Linguisten zur Grammatik des gesprochenen Portugiesischen (unter der Leitung von Prof. Dr. Ataliba de Castilho), die Sprachatlantengestaltung in Brasilien, das interessante Sprachatlas-Projekt zum Berührungsfeld zwischen brasilianischem Portugiesisch und Spanisch in Uruguay (Prof. Dr. Harald Thun, Universität Kiel), die moderne Grammatikschreibung (Prof. Dr. Eberhard Gärtner konnte seine soeben beim Niemeyer-Verlag Tübingen erschienene "Grammatik der portugiesischen Sprache" vorstellen), Projekte der brasilianischen Soziolinguistik und nicht zuletzt die computerbasierte Gesamtübersicht über die Forschungsschwerpunkte brasilianischer Literatur- und Sprachwissenschaftler ("Quem é quem na pesquisa em Letras e Lingüística no Brasil"), die die Kontaktaufnahme zu den Fachkollegen ungleich erleichtern wird.

Aus Portugal und Brasilien waren ganze Arbeitsgruppen nach Berlin gekommen, die mit ihren Vorträgen die verschiedensten Aspekte der Sprachbeschreibung erfaßten. Neben sprachgeschichtlichen Fragestellungen wie Überlegungen zur Periodisierung der Geschichte der portugiesischen Sprache, Aspekten der Grammatikbeschreibung, textlinguistischen Untersuchungen, Diskursanalyse und Problemen des Spracherwerbs bildeten Fragen der diatopischen und diastratischen Variation in Brasilien den Schwerpunkt der Beiträge. Das Vortragsangebot in allen Sektionen war breit gefächert und erstreckte sich von theoretischen Überlegungen, über neueste Ansätze und die Behandlung von Einzelfragen unter diachronischem und synchronischem Gesichtspunkt bis hin zur Anwendung auf die Lexikographie, die Erstellung umfassender Korpora oder die Textgestaltung in Massenmedien.

Von den Ergebnissen der Konferenz, die in 8 Aktenbänden zusammengefaßt werden sollen, profitiert nicht zuletzt die Portugiesisch-Ausbildung an der Leipziger Universität, ist doch die Sprachwissenschaft fester Bestandteil des Magister- und Übersetzerstudiums.

Die Auffrischung bestehender und das Anknüpfen neuer Kontakte werden den Austausch von Forschungsergebnissen und die Information über neueste Publikationen zum Portugiesischen ebenso erleichtern wie die Einladung namhafter portugiesischer und brasilianischer Sprachwissenschaftler nach Leipzig, wo regelmäßige Workshops zur Fortsetzung der in Berlin begonnenen Debatte beitragen könnten.

 Cornelia Döll

 
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