hochschule
ost
leipziger beiträge zu
hochschule & wissenschaft
 
   

Im 10. Jahrgang - Veränderungen stehen an:

Redaktionelle Mitteilung

Mit dem vorliegenden Heft wird der zehnte Jahrgang von "hochschule ost" abgeschlossen. Es wird dies zugleich das letzte Heft unter dem angestammten Namen sein. Ab 2002 erscheint die Zeitschrift unter dem Titel "die hochschule. journal für wissenschaft und bildung". Zugleich wechselt sie von der Universität Leipzig, wo sie seit 1991 vom Arbeitskreis Hochschulpolitische Öffentlichkeit ediert wurde, nach Wittenberg. Sie wird künftig von HoF Wittenberg – Institut für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg herausgegeben. Peer Pasternack, seit 1997 in Wittenberg tätig und dort im Institutsvorstand für die Forschungskoordination zuständig, wird weiterhin redaktionell für die Zeitschrift verantwortlich bleiben.

Der Abschluss des 10. Jahrgangs wie der Orts- und Namenswechsel der Zeitschrift bedeuten nicht, dass nun auch die Beschäftigung mit DDR-Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte sowie ostdeutscher Hochschul- und Wissenschaftstransformation abgeschlossen werden. Im Gegenteil: HOF Wittenberg sieht sich als einziges Institut, das in Ostdeutschland mit Forschung über Hochschulen befasst ist, und als Einrichtung, die in einer windungsreichen Geschichte letztlich im Zentralinstitut für Hochschulbildung der DDR wurzelt, seit seiner Gründung 1996 in einer besonderen Verantwortung hinsichtlich der wissenschaftlichen Bearbeitung spezifisch ostdeutscher Themen. Dazu gehört sowohl die DDR-Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte – unlängst hat das Institut eine erste Bilanz seiner diesbezüglichen Bemühungen vorgelegt1 –, wie HOF Wittenberg ebenso eine Reihe von Beiträgen zur hochschulspezifischen Transformationsforschung erbracht hat und weitere Beiträge zur zweiten Phase der Transformationsforschung – die wesentlich auch Transformationsfolgenforschung sein wird – plant.

So wie HOF Wittenberg sich zwar als ein Institut der gesamtdeutschen und internationalen Hochschulforschung versteht, aber zugleich eine besondere Aufmerksamkeit für ostdeutsche Entwicklungen und Themen pflegt, so hat sich umgekehrt "hochschule ost" zwar dominant ostdeutschen und gelegentlich osteuropäischen Gegenständen gewidmet, aber zugleich und in den letzten Jahren zunehmend auch übergreifenden Themen zugewandt. Derart gibt es eine inhaltliche Schnittmenge zwischen der Zeitschrift und dem Institut, die tragfähig für die Zukunft erscheint. Die Zeitschrift wird ihre Wurzeln nicht kappen, und die Herausgeberschaft des Instituts wird der weiteren thematischen Öffnung dienlich sein. Das Institut wird seine öffentliche Wahrnehmbarkeit durch die bereits etablierte Zeitschrift steigern können, und die Zeitschrift wird von Imagetransfereffekten profitieren.

Der deutschsprachige Zeitschriftenmarkt im Themenfeld Hochschul- und Wissenschaftsforschung ist nicht sehr dicht besetzt. Im Bereich der Wissenschaftsforschung dominieren historisch orientierte Journale, in denen Zeitgeschichte und Gegenwartsanalyse nur marginal vorkommen. Im hochschulforscherischen Bereich sind mehrere der existierenden Titel im engeren Sinne weniger wissenschaftliche Zeitschriften, sondern z.T. Verbandsorgane, z.T. nur Quasi-Zeitschriften, d.h. de facto Sammelbände. Fachjournale im Überlappungsbereich von Hochschul- und Wissenschaftsforschung zeichnen sich überwiegend durch einen sehr präzise bestimmten inhaltlichen Fokus – etwa Wissenschaftsmanagement oder Wissenschaftsrecht – aus.

"die hochschule" soll sich in diesem Feld als akademisches Journal mit Ausstrahlung auf Entscheider in Politik und Verwaltung positionieren und inhaltliche Offenheit praktizieren, ohne in Beliebigkeit abzugleiten. Das künftige thematische Spektrum der Zeitschrift lässt sich in fünf Punkten beschreiben:

  • Der gesamte Bereich der Forschung über Hochschulen wird in "die hochschule" eine publizistische Heimat haben – von Hochschulgeschichte über Hochschulmanagement, -recht- und verwaltung, Hochschulorganisation und Hochschulpolitik über Hochschuldidaktik, Studenten- und Curriculumforschung bis hin zu Problemen der Eingangs- und Ausgangsschnittstellen, also des Verhältnisses von Schule und Hochschule bzw. Hochschule und Arbeitsmarkt.

  • Ausflüge in die Wissenschaftsforschung, auch wenn es dabei um außerhochschulische Gegenstände geht, und ebenso Ausflüge in allgemeine Themen der Bildungsforschung werden, wie bisher, ihren Platz in der Zeitschrift haben, da Hochschulentwicklung nicht abgekoppelt von allgemeiner Wissenschafts- und Bildungsentwicklung betrachtbar ist.

  • In spezifischer Anknüpfung an die "hochschule ost"-Geschichte der Zeitschrift wird eine spezielle Aufmerksamkeit für ostdeutsche Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte und -entwicklung beibehalten, nicht zuletzt indem die Bibliographie zur ostdeutschen Nachkriegsentwicklung von Hochschule und Wissenschaft fortgeführt wird.2

  • Osteuropäische Entwicklungen werden verstetigte Behandlung erfahren: hierzu ist eine regelmäßige Rubrik "Mittel-Ost-Europa-Ticker" geplant.

  • Als Supplement wird das bislang selbständig erschienene Newsletter des Instituts für Hochschulforschung – künftig unter dem Namen "HOF-Berichterstatter" – der Zeitschrift beigelegt.

Diesem geplanten Themenspektrum trägt der neue Name der Zeitschrift Rechnung: "die hochschule. journal für wissenschaft und bildung". –

Im Juli 2001 hatte sich HOF Wittenberg einer externen Evaluation gestellt. Anlass dafür war das Ende der ersten fünfjährigen Förderphase. Diese Evaluation erbrachte ein positives Ergebnis, was die wesentliche Voraussetzung dafür bildete, dass das Land Sachsen-Anhalt und der Bund eine weitere mittelfristige Grundfinanzierung des Instituts zusagten. Damit ist die institutionelle Stabilität von HOF Wittenberg für die nächsten Jahre gesichert. Hierdurch wiederum war eine wichtige Bedingung erfüllt, um die zwischen Redaktion und Institut seit geraumer Zeit diskutierte Übernahme der Zeitschrift nach Wittenberg mit zufriedenstellendem Abschluss verhandeln zu können.

Die bisherige Redaktion verabschiedet sich damit zugleich von der unmittelbaren gestaltenden Einflussnahme. Einzelne ihrer Mitglieder werden der Zeitschrift als AutorInnen und RezensentInnen erhalten bleiben. Die Gesamtverantwortung indes wird nunmehr in dem gutem Gefühl nach Wittenberg abgegeben, mit dem Institut für Hochschulforschung einen angemessenen und für das ursprüngliche Gründungsanliegen von "hochschule ost" sensiblen Partner als neue herausgebende Einrichtung gewonnen zu haben.

 

Leipzig, im Dezember 2001

Redaktion
hochschule ost.
leipziger beiträge zu hochschule & wissenschaft

1 Peer Pasternack (Hg.): DDR-bezogene Hochschulforschung. Eine thematische Eröffnungsbilanz aus dem HOF Wittenberg, Weinheim/Basel 2001

2 womit zugleich das einschlägige bibliographische Werk zum Thema, erschienen in der HOF-Schriftenreihe "Wittenberger Hochschulforschung", fortgesetzt wird, mithin eine bereits seit Jahren andauernde gemeinsame Aktivität von Zeitschrift und Institut kontinuiert wird: Peer Pasternack, Hochschule & Wissenschaft in SBZ/DDR/Ost-deutschland 1945-1995. Annotierte Bibliographie für den Erscheinungszeitraum 1990 - 1998, Weinheim 1999.

     
© hochschule ost 2002
redaktion & gestaltung: falk bretschneider / sebastian gräfe