Tag 9 – Geld. Ein Auszug

Geld. »Ich habe 11 oder 12 Bücher geschrieben und habe fast nichts dafür bekommen; nur 4 davon sind überhaupt bezahlt worden. Die übrigen Verleger (die Insel und auch Juncker z.B.) haben meine Bücher genommen ohne zu zahlen. Die Monographie Worpswede’s war ein Auftrag, der gut honoriert worden ist, – aber das Rodin-Buch, in dem ich monatelang gelebt habe, hat nur 150 Mark gebracht!« schrieb Rilke an Ellen Key am 3. April 1903.

Die Schriftsteller und das Geld, der arme Poet in seiner Dachstube: Nicht selten stimmte und stimmt dies Klischee, wie man unten sehen wird. Noch heute taugt diese bedürfnislose Hingabe an die Literatur für eine heroische Legende, wie man zum Beispiel an der angeblich allein in der Kälte an ihrem ersten Harry-Potter-Band schreibenden J. K. Rowling erleben konnte. Kaum ein Bericht im Anfangsstadium der Pottermania kam ohne einen Hinweis auf die Mär von der armen alleinerziehenden Poetin aus. Nach einer kurzen Episode als Sozialhilfeempfängerin, stellte sich jedoch rasch das große Geld ein.

 

Einige Geringverdiener:

Für das Manuskript Lost Paradise/Verlorenes Paradies erhielt John Milton von seinem Verleger, Matthias Walker of St. Dunstan’s, fünf Pfund. Nachdem 1300 Exemplare verkauft waren, erhielt er noch einmal fünf Pfund. Für vier von ihm veranstaltete Ausgaben bezahlte Walker insgesamt zwanzig Pfund Honorar. Mit einem Jahreseinkommen von vierzig Pfund galt seinerzeit ein Geistlicher als wohlhabend.

Daniel Defoe bekam für seinen Robinson Crusoe vom Londoner Verleger William Taylor ein Honorar von zehn Pfund.

Wilhelm Busch erhielt 1865 für seine Bildergeschichte Max und Moritz – das schon bald das meistverkaufte Kinderbilderbuch der Welt wurde – von seinem Verleger ein einmaliges Honorar von eintausend Gulden.

Gottfried Benn hat einmal berechnet, daß er in fünfzehn Jahren pro Monat durchschnittlich nur vier Mark und fünfzig Pfennige für die Schreibarbeit verbuchen konnte – und ansonsten von den Einkünften seiner Arztpraxis lebte. (Gottfried Benn: Kunst und Staat. 1927)

Von Oktober 1914 bis Oktober 1915 verdiente Ezra Pound mit seinen Gedichten 42,10 Dollar.

Die Brüder Goncourt erzählten bestens gelaunt ihren Freunden, sie hätten in ihrer literarischen Laufbahn einen enormen Fortschritt gemacht. »Unser erstes Buch hat uns fünfhundert Francs gekostet. Und heute hat ein Verleger einen Roman von uns angenommen und verlangt überhaupt kein Honorar!«

 

Literatur

Schmitz, Rainer: Was geschah mit Schillers Schädel? Alles, was sie über Literatur nicht wissen. Frankfurt/Main: Eichborn 2006. München: Wilhelm Heyne 2008

Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. (München 2014)