Tag 5 – Antiquare. Helden der Buchbewahrung

Ein Artikel von Juliane Seifert

 

In unserer schönen Buchstadt Leipzig leben viele Antiquare, die schon so manchen in Versuchung geführt haben, mit einem besonders alten Exemplar oder durch ein schön gestaltetes Schaufenster. Sie sind die Spezialisten, wenn es um alte Handschriften, Bücher oder Grafiken geht. Durch ihre Tätigkeit sichern und beschützen sie die Druckerzeugnisse. Durch das Sammeln und Kaufen verschiedener Bücher und Papiere, die andere schlichtweg als veraltet ansehen würden, bewahren sie diese vor dem Verfall, der Gleichgültigkeit oder gar der Vernichtung.

Ein Antiquariat ist ein skurriler und magischer Ort. Bis oben hin vollgestopft sind die Regale mit den faszinierendsten Büchern – kein Vergleich zu einem normalen Buchladen. Auf der Suche nach einem bestimmten Buch, welches nicht mehr im Einzelhandel erhältlich ist, erfährt man dort, dass im Regal noch drei Exemplare stehen, die sich alle wiederrum unterscheiden können.

Frau Wilhelm vom Leipziger Antiquariat in der Ritterstraße beschreibt mir gegenüber das Verhältnis zu Buchsammlern, die zu ihrem Stammkundenkreis zählen, wie folgt: „Zu ihnen haben wir über Jahre guten Kontakt aufgebaut und können auf ihre Besuche bei uns vertrauen. Teilweise reservieren wir für sie die neu angekauften Titel, damit sie nicht von anderen Kunden gekauft werden.“ Allerdings beschreibt sie mir auch die negative Seite: „Unter Menschen, die von Büchern begeistert sind, weilen auch jene, die diese gewisse Grenze zum Diebstahl überschreiten können. Natürlich kommt es vor, dass wir ein Buch nicht mehr auffinden können, da es bei einem Kunden in der Tasche verschwunden ist. Aber wir versuchen, die Kunden nicht zum Diebstahl zu verführen, daher werden gerade große Buchschätze nicht im frei zugänglichen Verkauf angeboten. Solche Bücher stehen in Vitrinen und werden nur auf Anfrage und unter Aufsicht des Personals dem Kunden in die Hände gegeben. Das Antiquariat kann nicht nur als Bewahrer der Buchschätze, sondern auch der Kultur gesehen werden. Es birgt in seinem Bestand nicht nur relativ aktuelle Titel, sondern bietet einen breiten Grundriss durch die Geschichte des Buches, der Gesellschaft und der Kunst. Bücher, die aufgrund der Bücherverbrennung im dritten Reich selten geworden sind, besondere Verlagsreihen oder Bücher die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung von geringer Bedeutung waren und in der Gegenwart einen historischen Wert haben, finden im Antiquariat ihren Platz und werden in die richtigen Hände vermittelt.“

Der Antiquar muss intellektuelle Voraussetzungen erfüllen können; die Fähigkeit zur Auflagenzählung, Bestimmung der Einbandarten oder des Sammelgebietes sind unerlässlich für eine Sammlung bzw. eine gut sortierte Buchhandlung von hoher Qualität, die auch Ansehen einbringt. Um „einen seltenen und daher nicht leicht zu erreichenden Titel in die Sammlung eingereiht zu haben“, benötigt der moderne Büchersammler auch ein gewisses detektivisches Gespür und das eben bereits genannte ökonomische Verständnis.
Er ist es, der den Buchsammler unter Umständen an die Hand nehmen kann, ihn in die Materie einführt, bis er selbst dieses Verständnis für seine Privatsammlung übernehmen kann.

 

Literatur

Bielschowsky, L. (1972): Der Büchersammler. Darmstadt: Gesellschaft der Bibliophilen