Der Jüngste Tag in Bildern

Der Jüngste Tag Plakat Buchcover 1

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Der Jüngste Tag Plakat Buchcover 2

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Zusammenfassung ausgewählter Autoren der Verlagsreihe: Der Jüngste Tag

Carl Sternheim

Carl Sternheim – bekannt als Dramatiker, Erzähler und Essayist – wurde  am 1. April 1878 in Leipzig geboren. Er war der Sohn eines Bankiers und wuchs in Hannover und Berlin auf. Anschließend studierte er Philosophie, Psychologie und Jura in den Städten München, Göttingen, Leipzig und Berlin. Bereits vor der Jahrhundertwende veröffentlichte er erste Stücke. Er gab zusammen mit Franz Blei von 1908 bis 1910 die Zeitschrift Hyperion heraus.
Sternheim entlehnte seine Figuren mitunter seinem Umfeld. So ist die Figur „Maske“ seinem Vater nachempfunden und auch die Figur des Napoleons einem Kellner nachgezeichnet, den Sternheim in einem Wirtshaus bei Brüssel kennen lernte.
Sternheims Werke sorgten innerhalb der deutschen Grenzen für viel Aufsehen und fielen auch anderen Schriftstellern der Zeit, wie Franz Kafka und Edschmid, auf. Trotz dieser Bekanntheit blieb ihm ein internationaler Erfolg, wohl auch aufgrund seiner durchaus reizvollen aber mitunter komplexen Syntax, verwehrt.
Seine Werke wurden von Muslin bei einer Veröffentlichung 1931 mit einem Kinematographen verglichen, bei dem man beständig vor- und zurückspulen kann. Der Abstand zur Realität bleibt stets der gleiche und so bewundert Muslin „ernstlich die Art, wie sie ausgedrückt wird. Es ist dies kein artistischer, sondern schon ein menschlicher Reiz. Die außerordentliche Disziplin, die Kälte, die Geometrie, die Nüchternheit dieses Dichters: das ist trocken saubere Menschenart. Ist einer, der in hartem Holz zu sägen liebt und nicht Laubstreu für Lesekühe schneidet.“
Carl Sternheim starb am 4. November 1942 in La Hulpe bei Brüssel.

Ferdinand Hardekopf

Ferdinand Hardekopf wurde am 15. Dezember 1876 in Varel geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Oldenburg und anschließend eine kaufmännische Ausbildung. Er emigrierte 1916 als Kriegsgegner in die Schweiz und kam dort mit den Dadaisten des Café Voltaires in Kontakt. Unter anderem zählten dazu Emmy Hennings und Tristan Tzara. Außerdem traf er in der Schweiz Hermann Hesse, Emanuel von Bodman und andere Persönlichkeiten.
Nach dem Krieg kehrte er nach Berlin zurück und gründete gemeinsam mit Rosa Valetti das Kabarett „Größenwahn“. Seit 1922 hielt er sich mit seiner Lebensgefährtin Sita Staub meist in Frankreich auf. Dort geriet er während der deutschen Besatzung in ein französisches Konzentrationslager. Dabei gingen seine Manuskripte verloren.
Hardekopf wirkte als Übersetzer aus dem Französischen, Lyriker und Essayist.  Seine Publikationen sind nicht zahlreich, dennoch erregte mit diesen Aufsehen. Unter anderem wurde Kurt Tucholsky  auf ihn aufmerksam. Er äußerte sich, unter seinem Pseudonym Peter Panter in der „Weltbühne“, zu Hardekopf wie folgt: „Vor einer langen Reihe an Jahren, als ich noch klein war […] – damals hat Ferdinand Hardekopf regelmßig an der Schaubühne mitgearbeitet. Sie verdankt ihm einige ihrer entzückendsten Beiträge – mit welcher Leichtigkeit, welcher Anmut, welch fächelnder Ironie waren Literatur, Berlin, Menschen, Reisen und Kunst dargestellt, hingehaucht, zu Pastellen verzaubert! Wer Zeit hat, lese das nach. […]“ und weiter „Erstaunlich, was dieser tiefe Bewunderer Franz Bleis aus der deutschen Sprache herausgeholt hat, Elemente, die tief verborgen in ihr liegen, und die man ihr sonst nicht glaubt.“[Faksimile, S. 1629f]
Von Hans Richter wird Hardekopf als Romantiker beschrieben, selbst in der antiromantischen Zeit des Dadas. Trotzdem misstraut er der Behauptung, dass der Mensch gut sei und persifliert Leonhard Franks These „Der Mensch ist gut“ mit einem spöttischen Gedicht.
Ferdinand Hardekopf starb am 24. März 1954 in Zürich.

Gerog Trakl

Georg Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Von 1905 bis 1908 absolvierte er ein Praktikum als angehender Apotheker. Anschließend studierte er bis 1911 Pharmazie in Wien und leistete seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger ab. Anschließend versuchte er eine berufliche Existenz mit einer zivilen Tätigkeit aufzubauen. Seine Reisen nach Venedig, an den Gardasee und Berlin wurden meist mithilfe von Freunden und Gönnern finanziert. Zu diesen zählten unter anderem Karl Kraus [Link, falls wir ihn auch beleuchten] und Oskas Kokoschka sowie Ludwig von Ficker, in dessen „Brenner“ seit 1912 Gedichte von Trakl erschienen. Trakl hatte bereits kurz nach der Jahrhundertwende seine ersten dichterischen Versuche in Form von Einaktern absolviert. Die Stücke „Totentag“ und „Fata Morgana“ wurden 1906 im Salzburger Stadttheater aufgeführt, dennoch vernichtete Trakl seine anfänglichen Werke zu einem späteren Zeitpunkt.
Kurt Wolff [Link] wurde über die Gedichte im „Brenner“ auf ihn aufmerksam. Der Verleger bat den österreichischen Lyriker in einem Brief vom 1. April 1913 um eine Zusammenstellung und Zusendung von Gedichten, die für eine Publikation in Buchform geeignet wären. Knappe vier Wochen später erläutert Wolff ihm seine Idee von der Buchreihe „Der Jüngste Tag“ [Link].
Trakl erlebte noch die Veröffentlichung der im Jüngsten Tag erschienen Sammlung unter dem Titel „Gedichte“. Kurz vor der Publikation seines Werkes „Sebastian im Traum“ starb Georg Trakl in der Nacht vom 3. auf den 4. November 1914 in der psychatrischen Abteilung des Spitals in Krakau, vermutlich durch eine selbst eingenommene Überdosis Gift.
1919 veröffentliche der Kurt Wolff Verlag [Link – falls der Verlag einen Extrabeitrag hat] eine Gesamtausgabe von Trakl: „Die Dichtungen“.

Gottfried Benn

Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 ins Mansfeld (Westprignitz) als Sohn eines Pfarrers geboren. Er besuchte das Gymnasium in Frankfurt an der Oder und studierte anschließend auf Wunsch seines Vaters Theologie und Philosophie in Marburg. Später wechselte er auf die Akademie für Militärärzte in Berlin und promovierte 1912 zum Dr. med.
Neben seinem künstlerischen Schaffen arbeitete er stets als Arzt, während des ersten Weltkrieges als Militärarzt, während des zweiten als militärärztlicher Beamter. Anschließend war er mit einer Privatpraxis in Berlin tätig.
Benn wird von Carl Sternheim als Aufständischer beschrieben, der „aus den Atomen heraus, nicht an der Oberfläche revoltiert; erschüttert Begriffe von innen her, daß Sprache wankt und Bürger platt auf Bauch und Nase liegen.“ [Faksimile, S. 1577]
Benn selbst sieht sich ebenfalls als jemanden, der einen anderen Weg in die Sprache eingeschlagen hat: „Wie ich es einmal versucht habe darzustellen in der Novelle Der Geburtstag (Gehirne); da schrieb ich: >da geschah ihm die Olive<, nicht: da stand vor ihm die Olive, nicht: da fiel sein Blick auf eine Olive, sondern: da geschah sie ihm, wobei allerdings der Artikel noch besser unterbliebe. Also, da geschah ihm >Olive< und hinströmt die in Frage stehende Struktur über der Früchte Silber, ihre leisen Wälder, ihre Ente und Kelterfest.“ [Faksimile, S. 1578 ]
Gottfried Benn starb am 7. Juli 1956 in Berlin.

Max Herrmann-Neiße

Biographie:
Max Herrmann, der sich nach seinem Geburtsort später Max Herrmann-Neiße nannte, wurde am 23. Mai 1886 in Neiße in Schlesien geboren. Nach dem Abitur studierte er sieben Semester lang in München und Breslau „Literatur- und Kunstgeschichte (nominell Germanistik)“. (S. 1643, 1) Anschließend lebte er ab 1909 bei seinen Eltern und betätigte sich schriftstellerisch und auch als Theaterkritiker der lokalen Zeitung. Seit 1911 veröffentlichte er auch in den expressionistischen Zeitschriften „Die Aktion“ und <„Die Weißen Blätter“>. Nach dem Tod seiner Eltern – sein Vater starb an einem Schlaganfall, seine Mutter beging daraufhin Suizid – zog er 1917 nach Berlin. Dort wurde im Winter 1919/20 sein bereits 1905 verfasstes Stück „Joseph der Sieger“ im „Berliner Kleinen Schauspielhaus“ 37-mal aufgeführt; er selbst verglich seinen Stil mit dem Frank Wedekinds, den er gewählt habe, ohne dessen Werke gekannt zu haben. Infolgedessen sah er sich Anfeindungen von rechtsextremen Kreisen ausgesetzt, er berichtet: „[A]uch der Sittlichkeitsrummel deutschnationaler Fexe [=Narren] (die übrigens diesmal ihre antisemitische Borniertheit an einem unzweifelhaften Arier ausließen) beehrte mich mit seiner Hetze.“ (S. 1644, 2) Seine Einstellung beschrieb er so: „Das Dasein ist mir nur erträglich, wenn es für alle erträglich ist. Das ist unmöglich in einer kapitalistischen, macht-, eigentums- und staatsegoistischen Weltgestaltung.“ (S. 1645, 3) Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging Herrmann 1933 ins Exil nach Zürich und später über Paris und Amsterdam nach London. Mit Heimweh und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Deutschland starb er dort am 8. April 1941.

Zum Werk:
Max Herrmann war Lyriker, Dramatiker, Erzähler, Essayist und Kritiker; er veröffentlichte Gedichte, Komödien, Novellen, Erzählungen und Romane. „Den meisten Wert lege ich auf meine Lyrik, in der ich das eigentlich Lyrische, das musikalisch Erlebte, auf die einfachste Art zum überzeugenden Ausdruck zu bringen suche.“ (S. 1645, 3) In seinen Werken legt er Wert auf eigenes Erleben: „Nie schrieb ich, in Lyrik, Epik, Dramatik eine Zeile, die nicht durch Erleben bedingt war. Auf Bestellung Arbeiten ist für mich eine fruchtlose Selbsttortur.“ (S. 1645, 3) Er wehrte sich jedoch gegen die „Etikettierung als ‚fotgeschritten’-realitätenabschildernder ‚Großstadt’-Lyriker“. (S. 1646, 4)

1918 erschien sein Gedichtband „Empörung, Andacht, Ewigkeit“ als Band 49 der Reihe „Der Jüngste Tag“ im Kurt-Wolff-Verlag. Dessen Titel erklärt er mit seinem „Erlebnis der Welt in seinen hauptsächlichen Ausstrahlungen“: „‚Empörung’ wider ihre Höllen, ‚Andacht’ vor ihren Wundern, ‚Ewigkeit’ in der letzten Hingabe an das Göttliche über ihr.“ (S. 1645f., 4) Mit seinen Werken stieß er jedoch bei seinen Zeitgenossen auf Verständnisschwierigkeiten, wie eine Rezension des Bandes zeigt: „Diese Gedichte stehen unter dem Einfluß des neuen expressionistischen, eines übersubjektiven und daher nicht leicht verständlichen Stils. [...] Das Studium moderner Dichtung wird auch für den, der sich in schwere Kunst hineinzufühlen vermag und gern psychische und gedankliche Tiefen sucht, immer mehr eine peinigende Nervenarbeit, man muß sich mühselig aus vertrackten und verbogenen Wortwendungen und neuartigen Wortdeutungen, aus bizarren Bildern und unbegreiflich paradoxen oder gesuchten Vorstellungen das zusammensuchen, was der Dichter empfindet und denkt.“ (s. 1946f.)

Quellen:

„Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, in: [?], S. 1643–1649.

Originalquellen (nach dem Text zitiert):

1: Herrmann, Max, 1923: „Die Lebenden“, Flugblätter Blatt 1, 2. Aufl., zit. nach: „Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, S. 1643f.

2: Herrmann, Max, 1921: autobiographischer Lebenslauf, in: Marbacher Expressionissmus-Katalog, S. 214, zit. nach: „Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, S. 1644.

3: Herrmann, Max, 1921: o.T., in: Marbacher Expressionismus-Katalog, S. 212f., zit. nach: „Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, S. 1645.

4: Herrmann, Max, 1918: Selbstanzeige in: „Aktion“, Jg. 8, Sp. 334, zit. nach: „Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, S. 1645f.

5: Benzmann, Hans, 1919/20: Besprechung von ‚Empörung, Andacht, Ewigkeit’ in: „Neue Blätter für Kunst und Literatur“, Jg. 2, S. 85f., zit. nach: „Max Herrmann. Empörung, Andacht, Ewigkeit“, S. 1646f.

Franz Kafka

Biographie:
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns geboren. Nach dem Abitur am Altstädter Deutschen Staatsgymnasium studierte er von 1901 bis 1906 an der Deutschen Universität in Prag – zunächst Chemie, Germanistik und Kunstgeschichte, schließlich Jura und wurde auch zum Dr. jur. promoviert. Dort wurde er Teil des „Prager Kreises“ u. a. mit <Max Brod> und <Franz Werfel>. Anschließend arbeitete er in einer Versicherung, ab Juli 1908 in der „Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt“. Kafka war mehrfach verlobt, jedoch nie verheiratet; sein Verhältnis zu Frauen war schwierig und unbeständig. Nachdem 1917 bei ihm Lungentuberkulose diagnostiziert wurde und er mehrere Kuraufenthalte verbrachte, wurde er 1922 pensioniert. Kafka starb am 3. Juni 1924 im Sanatorium Kierling bei Wien.

Zum Werk:
Zu Kafkas Lebzeiten erschienen sieben Bücher mit seinen Erzählungen, davon „Der Heizer“ (Band 3, 1913), „Die Verwandlung“ (Band 22, 1915) und „Das Urteil“ (Band 34, 1916) in der Reihe <„Der Jüngste Tag“> im <„Kurt-Wolff-Verlag“>. Kafka verfügte testamentarisch, dass sein Nachlassverwalter <Max Brod> sämtliche unpublizierten Texte vernichten solle. Dieser hielt sich jedoch nicht daran und verhalf ihm so zu Weltruhm.
Kurt Wolff lernte Kafka über den gemeinsamen Freund und Lektor im Kurt-Wolff-Verlag Max Brod kennen. 1912 fand ein <Treffen in Leipzig>[Link zur Korrespondenz KW-Kafka] statt, bei dem Kafka Wolff einige Manuskripte überreichte. Zum Abschied sagte der stets nicht von seinem eigenen Werk überzeugte Kafka: „Ich werde Ihnen immer viel dankbarer sein für die Rücksendung meiner Manuskripte als für deren Veröffentlichung.“ (S. 1658, 1) Ende desselben Jahres (Jahreszahl im Buch: 1913) erschien Kafkas erstes veröffentlichtes Buch, der Sammelband „Betrachtungen“ mit 18 Prosatexten – noch unter dem Namen des Rowohlt-Verlags.
Posthum erschienen im Kurt-Wolff-Verlag die Erstausgaben der Romanfragmente „Das Schloss“ (1926) und „Amerika“ (Originaltitel: „Der Verschollene“, 1927).

Quellen:

„Franz Kafka. Der Heizer, die Verwandlung, das Urteil“, in: [?], S. 1656–[?].

Originalquellen (nach dem Text zitiert):

1: Wolff, Kurt, [?]: Autoren, Bücher, Abenteuer, S. 68, zit. nach: „Franz Kafka. Der Heizer, die Verwandlung, das Urteil“, S. 1657f.

Otfried Krzyzanowski

Der Lyriker Otfried Krzyzanowski wurde am 25. Juni 1886 im bayerischen Starnberg geboren. 1897 siedelte er mit seiner Familie nach Wien über. Nach durchwachsenem schulischem Erfolg und dem Abitur als Privatist (externer Schüler) studierte er von 1907 bis 1910 Kunstgeschichte an der Universität Wien, brach das Studium jedoch nach dem Tod seiner Mutter ab. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. Krzyzanowski starb am 30. November 1918 in Wien an Unterernährung. Nachdem er mehrere Tage nicht wie üblich im Kaffeehaus erschienen war, fand man heraus, dass er in das Wiener Allgemeine Krankenhaus eingeliefert worden und dort gestorben war. Sein Begräbnis wurde von seinen Freunden durch eine Geldsammlung bezahlt, die Grabrede hielt der Wiener Schriftsteller Franz Blei.
Zu seinen Lebzeiten erschienen lediglich einzelne Gedichte in verschiedenen Zeitschriften, das einzige größere Werk ist der Gedichtband „Unser täglich Gift“, der posthum 1919 als Band 67 der Reihe <„Der Jüngste Tag“> im <Kurt-Wolff-Verlag> erschien. Aus seiner Todesnachricht: „Er war zu stolz, ein ‚Betteldichter’ zu werden, und verhungerte, noch ehe sein Buch ¬– lakonische Gedichte und fragmentarische Aufzeichnungen – bei Kurt Wolff in Leipzig – erschienen war.“ (S. 1681, 1) Franz Blei schreibt in der „Erzählung eines Lebens“ über Krzyzanowski: „[D]ieser Mensch von etlichen dreißig Jahren, der jede bürgerliche Arbeit verabscheute, war in seinen zwei oder drei Dutzend Gedichten, die er hinterlassen hat, keusch, verhalten, fast puritanisch streng, sparsam. [...] Vom Bettel zu leben schien diesem rigorosen Mann die einzig erlaubte und noble Lebensform des Dichters heute. Ihr musste dann auch die Form des Sterbens entsprechen.“ (S. 1683f., 2)
Krzyzanowski ist als Schlüsselfigur „Gottfried Krasny“ in <Franz Werfels> Roman „Barbara oder die Frömmigkeit“ von 1929 porträtiert.

Quellen:

„Otfried Krzyzanowski. Unser täglich Gift“, in: [?], S. 1681–1688.
(Geburtsdatum und -ort nach Personen-Datensatz der DNB und Wikipedia)

„Otfried Krzyzanowski. Ein zorniger Poet“, in: „Alt Hietzinger“, URL: <http://www.alt-hietzinger.at/archiv/personen/otfriedkrzyzanowski.shtml>, 06.09.2013.

Originalquellen (nach dem Text zitiert):

1: Heilborn, Ernst (Hrsg.), 1919: Jahrbuch der Halbmonatsschrift „Das literarische Echo“, Bd. 1, S. 208, zit. nach: „Otfried Krzyzanowski. Unser täglich Gift“, S. 1681.

2: Blei, Franz, 1930: Erzählungen eines Lebens, Leipzig: Paul List Verlag, S. 346f., zit. nach: „Otfried Krzyzanowski. Unser täglich Gift“, S. 1683–1685.

Max Brod

Max Brod wurde am 27. Mai 1884 in Prag geboren. Er absolvierte dort ein Jurastudium und promovierte zum Dr. jur. Zuerst verdiente er sich als Beamter, dann wurde er Angehöriger der Redaktion des Prager Tageblatts und freier Schriftsteller. Er war ein Mentor des Prager Dichterkreises und Freund Franz Kafkas [Link] Er setzte sich unter anderem für Robert Walser und Franz Werfel [Link, falls er auch vorgstellt wird] ein. Es kommt zum Bruch mit Werfel, als Brods Neigung für den Zionismus zunimmt. Weiterhin war Brod ein Gegner Karl Kraus’. 1939 emigrierte er nach Palästina und arbeitete dort als Dramaturg.
Brod veröffentlichte insgesamt über einhundert Titel. Diese Anzahl an Werken bietet ein großes Maß an Diversität. Ihm gelingt mit „Die Höhe des Gefühls“, laut Heinrich Lautensack, eine umfassende Beschreibung jenes Gefühls der Verliebtheit aus Jugendtagen, die vor allem aus der Ferne wirkt, da man sich nie traut, die entsprechende Person anzusprechen.
Weiterhin beschreibt in Max Krell in einer kurzen Analyse unter anderem: „[...] das Ausschöpfen eines Gedankens weiß Max Brod stets mit schöner Bewegung durchzuführen, mit kluger Wendung zu betonen und, in der Vermittlung vom Gedanken zum Bild, harmonisch abzuschließen. Entsprechend dem innersten Trieb: an alles Unerklärliche mit absoluter Logik heranzugehen, löst er die Zufälle und die Augenscheinlichkeiten des Momentes sofort und subtil. Das aber nimmt seiner metaphysischen Figur die Einheit und reißt sie in ihre Elemente auseinander.“ [Faksimile, S.1593]
Weiterhin veröffentlichte Brod nach Kafkas Tod dessen Manuskripte, gegen dessen testamentarisch festgehaltenen Willen.
Am 20. Dezember 1968 starb Max Brod in Tel Aviv.

Franz Werfel

Franz Werfel wurde am 10. September 1890 in Prag als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Lederhandschuhfabrikanten geboren. Bereits während seiner Schulzeit am Deutschen Gymnasium Stefansgasse in Prag entwickelte er Interesse an der Literatur und veröffentlichte erste Gedichte. Nach dem Abitur begann er zunächst ein Studium an der Deutschen Universität in Prag kurz darauf eine kaufmännische Lehre in Hamburg, die er jedoch beide abbrach. Statt auf Wunsch seines Vaters Kaufmann zu werden und das Familienunternehmen zu übernehmen, verbrachte er viel Zeit in den Prager Cafés und wurde Teil des „Prager Kreises“ u. a. mit <Franz Kafka>, <Max Brod> und Egon Erwin Kisch. 1911 erschien Werfels Gedichtband „Der Weltfreund“, der schon kurz nach seinem Erscheinen vergriffen war. Daraufhin begann sein Vater, ihn in seinen schriftstellerischen Tätigkeiten zu unterstützen. Kurt Wolff schreibt, Werfel war damals „in meinen Augen der Poet schlechthin“. (Zeller/Otten, S. XVIII) Nach seinem Militärdienst ging Werfel 1912 nach Leipzig und begann beim <Kurt-Wolff-Verlag> als Lektor. Hier begründete er die Reihe <“Der Jüngste Tag“>, in der auch sein Drama „Die Versuchung“ (Band 1, 1913) und der Gedichtband „Gesänge aus den drei Reichen“ (Band 29, 1916) erschienen.
1915 bis 1917 wurde Werfel im Ersten Weltkrieg zum Militärdienst eingezogen, obwohl er stets versuchte, sich als Pazifist diesem zu entziehen. 1917 wurde er ins k.u.k. Kriegspressequartier versetzt, wo er u. a. mit Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Hugo von Hofmannsthal und Robert Musil zusammenarbeitete.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog Werfel nach Wien und verbrachte dort viel Zeit in Kaffeehäusern. Hier lernte er auch Alma Mahler-Gropius kennen, die Witwe des Komponisten Gustav Mahler und damalige Ehefrau des Architekten Walter Gropius, zwischen denen sich zunächst eine Freundschaft und später eine Liebesbeziehung entwickelte. Bereits vor der Scheidung von Walter Gropius wurde Alma von Werfel schwanger und sie heirateten zehn Jahre später am 7. August 1929. Auf ihren Wunsch verließ er auch vor der Hochzeit die jüdische Glaubensgemeinschaft.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 kehrte Werfel nicht aus dem Urlaub auf Capri zurück, sondern emigrierte mit seiner Familie in die Schweiz und nach einem längeren Aufenthalt in Südfrankreich schließlich in die USA. Dort ließ er sich aufgrund seines Gesundheitszustandes in Santa Barbara, Kalifornien nieder. In den USA war er als Schriftsteller erfolgreich, seine Bücher wurden zu Bestsellern. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch und am 26. August 1945 starb Werfel an einem Herzinfarkt. 1975 wurden seine sterblichen Überreste nach Wien überführt und auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.

Quellen:

Zeller, Bernhard/ Otten, Ellen (Hrsg.), 1966: Kurt Wolff. Briefwechsel eines Verlegers. 1911-1963. Frankfurt am Main: Verlag Heinrich Scheffler.

Koller, Olga, 2009: Judentum und Christentum im Leben und Werk Franz Werfels. Diss., Universität Wien.