Reclam-Projekt

„Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“

Am Fachbereich Buchwissenschaft ist der Forschungsschwerpunkt seit dem Jahr 2007 nicht nur auf die moderne deutsche Verlagsgeschichte gelegt worden. Seither wurden hier auch Archive Leipziger und ostdeutscher Verlage geborgen und gerettet. Einen Höhepunkt stellte im Oktober 2008 die (temporäre) Rückführung des Archivs des Leipziger Reclam-Verlages dar.

Nach der Schließung des Leipziger Verlages zum 31. März 2006 gewährten die Stuttgarter Eigentümer schon zwei Jahre danach die Rückkehr des Archivs zu Forschungszwecken. Von diesem vielbeachteten Vorgang ging eine Reihe positiver Signale aus. So konnten in den Folgemonaten weitere Überlieferungen gesichert: Brockhaus-Verlag, Buchverlag der Morgen, LKG, Insel-Verlag und (unlängst) die Zeitschrift „Weltbühne“ und der Forschung und Lehre zugänglich gemacht werden.

Im September 2009 wurde dann das Projekt „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ in die Förderung des Programms „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung des SMWK bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften“ aufgenommen. Mit der systematischen Erschließung und Digitalisierung der riesigen Hinterlassenschaft aus 45 Jahren ist im November 2009 begonnen worden.

Der Bestand wurde seither planmäßig erschlossen, unvorhergesehen auch der (damals noch) unerschlossene Nachlass des langjährigen Verlagsleiters Hans Marquardt im Archiv der Berliner Akademie der Künste. In Projektseminaren sind parallel zwei Ausstellungen „Es messet wieder. Die Messestände des Leipziger Reclam-Verlages 1945–1990“ und „Wiedergefunden. Holzschnitte und Buchgestaltungen von Karl Stratil im Leipziger Reclam-Verlag“ sowie die Veranstaltungsreihe „Bücher, Mythen und Verlage“ und das Kolloquium über die musikliterarischen Schriften „Musik im geteilten Deutschland“ erarbeitet und durchgeführt worden.

Überaus interessant ist das Reclam-Archiv im Kontext ähnlich wichtiger Bestände im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig, Deutsches Buch- und Schriftmuseum und im Stadt- und Universitätsarchiv – unter vielen anderen die Archive vom Gustav Kiepenheuer Verlag, der Musikverlage Breitkopf & Härtel, Edition Peters und Hofmeister, der Kunstverlage Seemann und Henschel und die Akten des Börsenvereins. Teile der Ausstellung „100 Jahre Kiepenheuer“ und Beiträge der Monografie „100 Jahre Kiepenheuer-Verlage“ (Hg. Lokatis / Sonntag), in „Flachware. Fußnoten zur Leipziger Buchwissenschaft“ und im aktuellen Themenheft „Ost und West“ vom Deutschland Archiv basieren auf Überschneidungen mit Überlieferungen des Reclam-Archivs.

Die Konferenz „Eine einzigartige Bibliothek der Weltliteratur. Reclams Universal-Bibliothek im Leipziger Reclam-Verlag“, die am 25. und 26. Oktober 2012 im Leipziger Haus des Buches und in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften stattfindet, stellt nun die Ergebnisse von drei Jahren Forschung mit führenden Wissenschaftlern und angesehenen Kooperationspartnern zur Diskussion.

Alles über die Hintergründe und die Entstehung des Projekts hier.

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