Der Aufbau-Verlag 1945–1989

„Die Bücher des Aufbau-­Verlages kommen aus aller Herren Ländern,
und sie sind in aller Welt zu Hause.“
– Faber –


Der Aufbau Verlag war der größte Verlag in der Deutschen Demokratischen Republik und der erste, der in der Sowjetischen Besatzungszone entstand. Gegründet wurde er am 16. August 1945 in Berlin unter der Leitung des Kulturbundes und durch die Protektion der sowjetischen Militäradministration. Mithilfe dieser konnten schon 1945 Theodor Plieviers Roman „Stalingrad“ sowie weitere Werke erscheinen.

Das Programm des Verlags sollte unter dem Zeichen der Versöhnung stehen und Bereiche der deutschen Literatur, der Exilliteratur, der inneren Emigration und des Widerstandes zusammenführen. Mit Beginn des Kalten Krieges legte die politische Führung den Fokus allerdings auf sozialistische und bürgerlich-­humanistische Literatur. Zusätzlich wurde die Verlagsarbeit durch Zentralisierung der Verwaltung des Buchwesens erschwert.

1962 ging die Verwaltung des Buchwesens in der neu geschaffenen „Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel“ auf, die im Jahre 1964 die „Profilierung“ der Verlage vorantrieb. Im Zuge dieser wurde der Aufbau-­Verlag mit dem Verlag Rütten & Loening sowie dem Thüringer Volksverlag vereinigt. Der neue Aufbau-­Verlag wurde dem Kulturbund untergeordnet und sollte sich als staatseigener Betrieb vor allem mit der sowjetisch-­sozialistischen Gegenwartsliteratur beschäftigen.

Von Anfang an war die Verlagsarbeit durch Konflikte mit der politischen Führung durch ein vielfältiges und eigenständiges Verlagsprogramm geprägt. Phasen der Liberalisierung wechselten sich mit Phasen der Restriktion vonseiten der DDR-­Regierung ab. Das Verlagsprogramm und die Schwierigkeiten mit dessen Umsetzung lassen sich beispielhaft anhand der Reihen des Verlages beschreiben.


„Ein Buch ist mehr als nur bedrucktes Papier. […] Wenn man von Buchkunst spricht, so meint man die Zusammenführung von Schrift und Typographie, von Text und Illustration, die Harmonie von Papieren und Einbänden, den Zauber der Schnitte und Formate, die Farbe und Frische der Schutzumschläge […]. Buchkunst ist eine wichtige Kommunikationsbrücke.“
– Faber –


Buchillustrationen und -kunst am Beispiel des Aufbau-Verlages

Die Buchgestaltung im Aufbau‐Verlag stand im Zeichen der sozialistischen Gesellschaft der DDR. Die charakteristische Gestaltung der Bücher des Verlages war klassisch zeitlos – das heißt, Aufbau bevorzugte gediegene klassische und unauffällige Einbände. Es sollte die Einheit von Typografie, Einband und Umschlag wiederspiegeln. Die Buchkunst der DDR diente nicht nur zum optischen Anreiz und der besseren Verkäuflichkeit, sondern sollte den Leser bilden und in der Ästhetik schulen.


Werner Klemke

ADN-ZB Brüggmann 8.11.85 Klemke, Prof. Werner geb. 12.3.1917 Grafiker und Illustrator. Sekretär der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste.s. Bildquelle 1

Werner Klemke, geboren am 12. März 1917 in Berlin-­Weißensee, zählt zu
den wichtigsten Illustratoren des Aufbau-­Verlags. Der deutsche Buchgestalter war sehr vielseitig in der Anwendung von grafischen Techniken. Vor allem ließ er den Holzstich in der DDR wieder aufleben, welcher vorher nahezu in Vergessenheit geriet. Klemke nahm außerdem die Kunst der Typografie in seiner Illustrationsgestaltung auf und erzeugte somit ein harmonisches, auf die Schrift abgestimmtes Gesamtbild. Das Buch „Dekameron von Boccaccio“ stellt mit seinen 105 Holzstichen sowie seiner typografischen Gestaltung den Höhepunkt des Holzstichs Klemkes dar. Das Gesamtwerk des Illustrators, welcher nebenbei auch als Gebrauchsgrafiker und Hochschullehrer tätig war, umfasst allein im Bereich der Buchkunst bemerkenswerte 800 Titel. „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ 1965, „Ilias“ 1972 und „Das Anekdotenbuch“ von 1966 sind nur einige Beispiele seiner Arbeit.

Grundsätzlich versuchte er, seine Illustrationen mit dem geschriebenen Text sinnvoll zu vereinigen. Klemkes Arbeit war keineswegs einseitig. Neben der Buchkunst gestaltete der Illustrator auch Briefmarken, Abziehbilder, Plakate, Ausstellungstafeln, Filmprogramme, Gebäudefassaden und Schallplattenhüllen – um nur einiges zu nennen.

Werner Klemke verstarb am 26. August 1994 in seinem Geburtsort und wird bis heute als bedeutendster Illustrator und Gebrauchsgrafiker der Buchkunst der DDR in Erinnerung behalten.

„Ich mache Bücher, worunter ich aber nicht nur ‚Bücher illustrieren’
verstehe. Das ist nur eine Art unter anderen. Unter ‚Bücher machen’
verstehe ich, einem Buch durch Auswahl der Papiersorte und der Lettern,
durch Satzanordnung und Buchschmuck Gestalt zu geben mit allen
Zutaten, die nötig sind, den Absichten des Verfassers gerecht zu werden
und dem Leser das Lesen zu erleichtern.“ (Klemke)


Klaus Ensikat

Klaus Ensikat, geboren 1937, gilt als einer der bedeutendsten Illustratoren des Aufbau-­Verlags. 1951 begann er eine Lehre zum Dekorateur und studierte anschließend vier Jahre an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Berlin. Bis 1961 arbeitete er als Gebrauchsgrafiker in der Werbegrafik. Seit 1965 arbeitet er als freier Grafiker in Berlin. Ensikat gilt als „Meister der hintergründigen sachlich-­zeichnerischen Genauigkeit mit dem Hang zur Verfremdung und zur Groteske“.

Die oftmals schlechte Papier-­ und Druckqualitäten in der DDR sah Ensikat mehr als Herausforderung, als Hindernis. Er sagte dazu 1996: „Die Kompensation erfolgte durch mehr geistige Anstrengung“.

Als Zeichner begnügt er sich nicht mit einfachen Nacherzählungen, sondern erfindet selbst Bilder, die mit dem Text eingehend korrespondieren.

Besonders bei seinen zahlreichen Kinderbuchillustrationen fällt sein Hang zur Ironie und zum Grotesken auf – so wirken seine Interpretationen nie zu idyllisch und märchenhaft. Weitere Besonderheiten seiner Zeichnungen sind die Aufnahmen von stilistischen Mitteln der Werbesprache sowie die Verfestigung des Bildes in der Manier des Kupferstiches. Viele Bücher fallen ebenso durch die Harmonie von Schrift und Bild auf. Ensikat schrieb oftmals eigenhändig in einer „schönen, fein schnörkeligen Gebrauchs-­Kalligrafie“. Seine Illustrationen ordnen sich nicht dem Text unter, sondern dienen dem Text zur Vervollkommnung.

Stilistisch knüpft Klaus Ensikat an Kupferstiche der Bilderbücher und Bildergalerien der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Auffallend sind ebenfalls moderne Einflüsse der Surrealismus, Pop Art und aktuellem Realismus. Geschätzt wird außerdem eine gewisse Sachlichkeit und eigenwillige Modernität seiner Illustrationen. Seine Bilderfindungen wirken oftmals wie eine Mischung aus „nüchterner technischer Zeichnung und wilder Phantasie“. Ensikats Illustrationen werden auch als Verbindung von „altväterisch anmutender, realistischer Zeichnung und ihrer modernen Verfremdung
bezeichnet.

Ensikat knüpft so an die humanistische Tradition des deutschen Kinderbuchs an, durch seinen Blick auf modernen Tendenzen stagniert er jedoch nicht im Historismus.


Literatur

Enzensberger, Hans Magnus/ Hrsg. Von Seuss, Juergen (1998): Außen schrill, innen behäbig, In: Illustration und literarische Zeichnung, Frankfurt/ Main, S. 17.

Faber, Elmar (1985): Buchkunst bei Aufbau. In: Glatzer, Ruth/Erler, Gotthard (Red.) (1985): Das Haus in der Französischen Strasse. Vierzig Jahre Aufbau-­‐Verlag. Ein Almanach. Berlin/Weimar: Aufbau Verlag, S. 183-­205.

Glatzer, Ruth/Erler, Gotthard (Red.) (1985): Das Haus in der Französischen Strasse. Vierzig Jahre Aufbau-­Verlag. Ein Almanach. Berlin/Weimar: Aufbau Verlag.

Janaszek, Ralf (2014): Beispiele für gebrochene Schriften, Im Internet: http://www.typo-­
info.de/beispielefuergebrocheneschriften.htm

Janaszek, Ralf (2014): Gebrochene Schriften, Im Internet: http://www.typo-­
info.de/gebrocheneschriften.htm

Lang, Lothar (2000): Von Hegenbarth zu Altenbourg. Buchillustration in der DDR. Stuttgart:
Hauswedell.o.A. (2013): Bücher-­‐Wiki. DDR-­‐Literatur, Im Internet: http://www.buecher-­
wiki.de/index.php/BuecherWiki/DDR-­‐Literatur

o.A. (2015): Werner Klemke, Im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Klemke

Wurm, Carsten (2015): Gestern. Heute. Aufbau. 70 Jahre Aufbau Verlag 1945-­‐2015. Berlin: Aufbau Verlag, S.11-­132.

Wurm, Carsten (1995): Jeden Tag ein Buch / 50 Jahre Aufbau-­Verlag 1945-­1995. Berlin: Aufbau Verlag.

 

Bildquellen

Bildquelle 1: „Bundesarchiv Bild 183-1985-1108-301, Werner Klemke“ von Bundesarchiv, Bild 183-1985-1108-301 / Brüggmann, Eva / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1985-1108-301,_Werner_Klemke.jpg#/media/File:Bundesarchiv_Bild_183-1985-1108-301,_Werner_Klemke.jpg

 

Eine Arbeit von Maren Schöttler, Clara Gärtner, Laura Dicke, Maria Elßner, Esther Buchheim Und Charlotte Dietrich, Bachelor-Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.