Siegfried Lokatis (Hrsg.): „Neue Buchgeschichten: Wege zur Weltliteratur“

Wie wir Bücher ordnen, ist aus Sicht der Buchwissenschaft beinahe spannender als sie zu lesen. Ob nach Alter des Autors oder des Buches, in brandschutztechnischer Besorgnis, chronologisch oder diebstahlsichernd, nach Einbandqualität oder Erscheinen, Farbe oder Format, Gewicht, Höhe der IKEA-Regale oder ISBN-System, Jahr oder Jahrhundert, Kanon oder Katalog, nach Leseplänen, mit memnotechnischer Magie, nach Nummerierung, ordentlich preußisch, nach Provenienz, in repräsentativen Reihen, zum Schutz vor Staub, thematisch nach Titelgruppen, ungelesenem Umfang, Verlagen, Wohnungsgröße oder irgendeinem Zufallsprinzip. Solange man Bücher noch sehen, sammeln und anfassen kann, kann und muss man sie auch irgendwie ordnen genießen wir es. In der Welt der unsichtbaren Bücher bedarf es neuer Wege.

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Carmen Laux / Patricia Zeckert – „Flachware 2 – Fußnoten der Leipziger Buchwissenschaft“

Das offizielle Jahrbuch der Buchwissenschaft der Uni Leipzig geht in die zweite Runde! Nach dem fulminanten Start der Nummer 1 im Jahr 2010 legt der Fachbereich mehr Flachware nach. Wieder beleuchten Nachwuchswissenschaftler und namhafte Experten in fünf Rubriken verschiedene Themen der Buch- und Medienwissenschaft.

Der neue Band enthält Beiträge zum Reclam Verlag, die Geschichten aus verschiedenen Perioden seiner Leipziger Existenz erzählen. Außerdem versammeln die Herausgeberinnen Aufsätze zu ausgefallenen Bereichen der Buchkunst und der Bibliophilie. Ein weiteres Themenspektrum beschäftigt sich mit der vergleichenden Zensurgeschichte und präsentiert darunter erstmals internationale Ergebnisse.

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Siegfried Lokatis / Ingrid Sonntag – „100 Jahre Kiepenheuer-Verlage“

Die Herausgeber Ingrid Sonntag und Siegfried Lokatis haben vierzig Autoren versammelt, die eine der spannendsten deutschen Verlagsgeschichten des 20. Jahrhunderts vorstellen, die auf einzigartige Weise mehrere politische Systeme spiegelt. 1910 von Gustav Kiepenheuer gegründet, avancierte der Verlag in der Weimarer Republik mit Autoren wie Anna Seghers, Bertolt Brecht, Georg Kaiser, Joseph Roth und Arnold Zweig zu einem kulturellen Leitverlag, der für Expressionismus und Neue Sachlichkeit stand.

Nach der Bücherverbrennung von 1933 gingen wichtige Lektoren ins Exil, Kiepenheuer versuchte sich im Land zu behaupten. Die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg spaltete auch den Verlag.

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Thomas Bez / Thomas Keiderling – „Der Zwischenbuchhandel – Begriffe, Strukturen, Entwicklungen in Geschichte und Gegenwart“

Bislang gab es kein Gesamtwerk über die Geschichte und die Gegenwart des Zwischenbuchhandels in den deutschsprachigen Ländern. Doch diese Lücke wird mit diesem Standardwerk gefüllt. Die Darstellung profitiert von der unterschiedlichen Herangehensweise der Verfasser: aus den Interessenlagen universitärer Wissensvermittlung resultierend (Keiderling), andererseits aus der praktischen Anschauung und Beurteilung vergangener und aktueller Branchenentwicklungen (Bez).

525 Seiten, fadengehftete Broschur

Verlad Dr. Ernst Hauswedel; ISBN 978-37762-0510-7

Preis: 48,00 €

 

Eyk Henze/Patricia Zeckert – „Flachware – Fußnoten der Leipziger Buchwissenschaft“

Der Almanach ist das Produkt studentischer Initiative. Er versammelt sowohl Beiträge von Studierenden als auch Absolventen, Doktoranden und namhaften Fachwissenschaftlern. Fundiert und wissenschaftlich-essayistisch präsentieren sie Arbeitsergebnisse und geben breitgefächert Impulse der Leipziger Buchwissenschaft weiter. Die erste Ausgabe thematisiert unter anderem das Web 2.0 für Verlage, Independent Verlage und die Enzyklopädie im 21. Jahrhundert. Außerdem bietet sie kuriose Einblicke in die Rettung von Verlagsarchiven, die Suhrkamp-Kultur und den Alltag stehlender Bibliothekare.

Zur Namensgebung: Als Flachware bezeichnen genervte Ausstellungsmacher Bücher mitunter, denn sie gelten ihnen als schwer präsentierbar. –
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Thomas Keiderling – „Unternehmer im Nationalsozialismus. Machtkampf um den Konzern Koehler & Volckmar AG & Co.“

Der Band behandelt eines der spannendsten Kapitel der deutschen Buch- und Medienwirtschaft während der NS-Zeit. Ihr Führungsunternehmen, die 1918 fusionierte Koehler & Volckmar AG & Co., organisierte die buchhändlerische Logistik, insbesondere die Bestellung, Lagerhaltung und Auslieferung gedruckter Erzeugnisse.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung geriet der Konzern in den Schnittpunkt zensurbehördlicher Interessen, denn er bot ideale Möglichkeiten zu einer umfassenden Medienkontrolle. Seit 1935 entwickelte die Reichsschrifttumskammer entsprechende Überwachungspläne, so dass erste Spannungen mit der deutschnational-konservativen Konzernleitung nicht lange auf sich warten ließen. Weiterlesen

Simone Barck/Siegfried Lokatis – „Zensurspiele – Heimliche Literaturgeschichten aus der DDR“

Endlich sind sie in einem Sammelband verfügbar: die beliebten Kolumnen, die unter dem Titel »Zensurspiele« in der »Berliner Zeitung« auf amüsant-pointierte Weise Wissenswertes und Kurioses aus dem Archivalltag der Germanistin Simone Barck und des Verlagshistorikers Siegfried Lokatis zu Tage förderten.

Sie handeln allesamt von der Zensur – im offiziellen Sprachgebrauch der DDR: »Druckgenehmigungsverfahren«. Die großen Namen der DDR-Literatur, politische Direktiven und Skandale sind dabei jedoch nur ein Teil des Bildes.

Genauso spannend und oft sonderbar zu lesen sind die Vorgänge um die breiten übrigen Bereiche des DDR-Literaturbetriebs, denn auch bei Kinderbüchern, Fachliteratur zur Rinderbesamung oder in der Kalender- und Landkartenproduktion galt es tagtäglich, brisante Klippen zu umschiffen – nicht nur für Verleger, Autoren, Illustratoren und Lektoren, sondern auch für Zollbeamte und Bücherschmuggler.

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Siegfried Lokatis/Ingrid Sonntag – „Heimliche Leser in der DDR – Kontrolle und Verbreitung unerlaubter Literatur“

Der Band »Heimliche Leser in der DDR« behandelt ein Phänomen, das dem geistig regen Bewohner des einstigen »Leselandes« und seinem westlichen Besucher bestens vertraut war: Man versuchte irgendwie an Literatur heranzukommen, die in der DDR ausgegrenzt oder verboten war. Dabei ging es nicht nur um Biermann und Bahro, sondern auch um Bravo und Erotika, um Bibeln und Orwell und um den Otto-Katalog.

Der Leser erfährt, dass 42 000 Exemplare des Wachtturms in einen VW-Bus passen und wie sich Bücher am Besten im Eisenbahnklo verstecken ließen. Die Nervenanspannung bei der Zoll­kontrolle kommt dabei genauso zur Sprache wie die unwiderstehliche Anziehungskraft von Giftschränken in Bibliotheken und das Verlangen nach Westliteratur an den Leipziger Messeständen.
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