Ein Besuch bei KNV in Stuttgart

Im April 2012 besuchten die Studenten der Leipziger Buchwissenschaft die Firma KNV im Stuttgart. Hier nun zwei Erlebnisberichte zur Exkursion, einer von Nora Hoffbauer, einer von Thorsten Glawe. Viel Spaß beim Lesen!
Fotos vom Ausflug finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Am Drehpunkt des Buchhandels

–Thorsten Glawe

Koch, Neff & Volckmar, kurz KNV, größter Zwischenbuchhändler der Republik, richtete am 25. und 26. April 2012 eine zweitägige Info-Veranstaltung aus, zu der eine Gruppe der Leipziger Buchwissenschaft nach Stuttgart eingeladen wurde. Seminare, Führungen und persönliche Gespräche sollten Einblick in das sonst eher unsichtbare Feld der Barsortimente und Verlagsauslieferungen bieten. Außerdem konnten Studierende Kontakte in die Buchwirtschaft knüpfen.

25 Studierende und Mitarbeitende der Buchwissenschaft Leipzig reisten nach Stuttgart. Gemeinsam mit einer Delegation der Universität München und einer Stuttgarter Hochschule informierten sie sich in verschiedenen Seminaren über die Arbeit des KNV Barsortiments und der KNO VA, der Koch, Neff & Oettinger Verlagsauslieferung. Außerdem besuchten die Leipziger Veranstaltungen zu spannenden Themen wie Online-Marketing, beruflichen Perspektiven im Buchhandel und diskutierten gemeinsam mit den Veranstaltenden die Zukunft des Buchmarktes.

Eine Führung durch die Logistik des Branchenprimus zeigte eindrucksvoll den Weg des Buches vom Verlag in die Buchhandlung: Wareneingang, kilometerlange Förder- und Sortierbänder sowie die hochmoderne Digitaldruckerei für Print-on-Demand-Exemplare. Kompetente Fachkräfte standen den Studierenden in allen Bereichen für Fragen zur Verfügung.

Ebenfalls im Programm inbegriffen waren ein geselliger Abend mit viel Raum für persönliche Gespräche und neue Kontakte sowie ein Ausflug in das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Dort konnte man zum Beispiel berühmte Manuskripte aus der Nähe sehen oder das Literaturmuseum der Moderne besuchen. Die derart abgerundete Veranstaltung traf den Nerv der Studierenden und war für alle eine lohnende Erfahrung.

 


 

Der Ort der wartenden Bücher

Wer nicht aus der Branche kommt, wird mit den drei Buchstaben KNV kaum etwas anfangen können. Dabei versteckt sich dahinter einer der wichtigsten Buchgroßhändler Deutschlands: Koch, Neff und Volckmar. 510 000 Titel hält KNV für den Buchhandel ständig lieferbar. Ein Blick hinter die Kulissen von Nora Hoffbauer.

Es kommt selten vor, dass sich große Firmen für Studenten der Buchwissenschaft interessieren. Die Buchwissenschaft ist ein Nischenfach und die Buchbranche ist eine der Branchen, die gerne wegen Geldsorgen jammert. Und so ist es eine kleine Besonderheit, wenn auf einmal die Studenten eingeladen sind, und Bus, Hotel, Verpflegung sowie Programmgestaltung großzügig übernommen werden. Das können sich nur wenige Große in der Branche leisten. Und zu denen gehört ohne Frage KNV, mit Sitz in Stuttgart und Köln.

KNV und Libri (Hamburg und Bad Hersfeld) – das sind die zwei führenden Barsortimenter, die zusammen auf 93 % Marktanteil kommen und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen sind. Dabei sieht es auf den ersten Blick bei KNV Stuttgart gar nicht nach Reichtum und Prestige aus: Das Firmengelände ist ein grauer Gebäudekomplex aus den 1960er Jahren. Fast trist wirkt der Innenhof, die wenigen Fensterscheiben der Gebäude wurden lange nicht mehr geputzt. Und hinter diesen grauen Wänden irgendwo sollen Tausende von Büchern lagern?

Willkommen in Stuttgart

Die Studenten, die aus den beiden großen Reisebussen steigen, sehen müde aus, dabei ist es erst früher Nachmittag. Doch sie kommen aus Leipzig und München und haben zudem schon den ersten Programmpunkt absolviert: einen Besuch im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Nun sind sie am eigentlichen Ziel ihrer Reise. Strahlende Menschen in Anzügen kommen anstolziert, Hände werden geschüttelt. Vor den Studenten liegen anderthalb Tage voll mit Vorträgen, beispielsweise über den Zwischenbuchhandel, den E-Book-Markt und die Firmenkultur von KNV.

Das Barsortiment und die Verlagsauslieferung

Was KNV genau macht, erzählt das Unternehmen gerne: KNV hat Bücher. Um genau zu sein: 510 000 Titel von über 4 300 Verlagen. Und so werden täglich gut 7 000 Buchhandlungen beliefert. Das entspricht einem Marktanteil von 46 %; nur Libri – als zweites großes Unternehmen auf dem Markt – ist ein ernst zu nehmender Konkurrent. Die Zahlen sind dem Unternehmen KNV wichtig, sie zeigen die Dimensionen. „Wir sind schnell“, heißt es zudem immer wieder. Schnell sein bedeutet: Ein Buch, das heute bestellt wird, liegt morgen beim Buchhändler. Schnelligkeit wird auch für die Verlagsauslieferung immer wichtiger. Die Referenten legen Wert auf die Unterscheidung zwischen KNV – dem Barsortiment – und KNO VA – der Verlagsauslieferung. „Wir sitzen zwar in einem Haus, arbeiten aber unabhängig voneinander“, betont eine Mitarbeiterin der Verlagsauslieferung.

In den heiligen Hallen

Woher das Buch kommt und wo es ankommen soll, das weiß zeitweise nur der Computer. Ein kleiner Barcode auf einem Etikett verrät es ihm. Auf langen Fließbändern, zwischen Regalen voller Bücher, flitzen blaue Kisten hin und her. In ihnen liegt mal ein einzelnes Buch, mal ein ganzer Stapel. Die Hallen sind riesig, die Regale endlos lang und dabei sehen die Studentengruppen nur einen kleinen Teil der Lagerflächen. Wer in diesen Hallen arbeitet, muss nur noch wenige Handgriffe tätigen: zum Beispiel die richtigen Bücher in die fahrenden Kisten legen oder dem Karton noch letztes Verpackungsmaterial hinzufügen. Alles andere läuft automatisch. In den Regalen also harren die Bücher so lange, bis sie bestellt werden. Manch eines muss nicht lange warten. Andere warten fast ein Bücherleben lang in den hintersten Fächern, in den extra Lagerhallen, die außerhalb Stuttgarts stehen.

On demand als Technik der Zukunft

Doch auch KNV ist mit den Lagerkapazitäten langsam am Ende, deswegen wird das Unternehmen 2013 nach Erfurt umziehen, wo neue Lagerhallen gebaut werden. Außerdem liegt Erfurt geographisch günstiger in Deutschland; KNV kann dann noch schneller sein. Und dennoch: Der Trend geht, gerade im wissenschaftlichen Bereich, hin zum On-Demand-Druck: Die Druckerei ist erstaunlich übersichtlich: eine Handvoll Maschinen in einem fensterlosen Raum. Hier funktioniert alles vollautomatisch. Auf Basis einer PDF-Datei wird gedruckt, geklebt und geschnitten, und nach wenigen Minuten fällt aus der letzten Maschine ein fertiges Paperback. „Gut 1 200 Bücher druck ich hier am Tag – Tendenz steigend“, so der Drucktechniker. Was hier als fertiges Buch verschickt wird, ist schon verkauft. Lagerplatz und -kosten entfallen.

Für KNV ist es wichtig, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. In E-Books und den Onlinebereich investiert das Unternehmen viel. Wer einen so großen Marktanteil besitzt, möchte auch in Zukunft vorne mitmischen. Zwei Tage präsentiert sich KNV als zuvorkommender Gastgeber. Die Leipziger Studenten haben einmal das in der Praxis gesehen, was sie sonst nur theoretisch lernen. Und zumindest wie eine perfekt inszenierte Werbeveranstaltung funktioniert, wissen sie jetzt auch.

 


 

Alle Fotos von Anne-Katrin Hutschenreuter.

Buchwissenschaft zum Workshop in Wrocław

Eine Delegation der Leipziger Buchwissenschaft brach unter Leitung von Prof. Siegfried Lokatis in der zweiten Aprilhälfte nach Polen auf. Dort lud das Germanistische Institut der Universität Wrocław zu einem Workshop. Er diente als Bestandsaufnahme für das vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien geförderte Projekt „Breslauer Verlage 1800 – 1945“.
Neben Lokatis waren Prof. Urszula Bonter und Prof. Detlef Haberland anwesend. Prof. Marek Hałub sowie Prof. Wojciech Kunicki begleiteten die kleine Tagung. Hier einige Impressionen.

Exkursion nach Halle am 09. Dezember 2011

Wenn sich ein gutes Dutzend Studenten an einem frühen Dezember-Morgen am Leipziger Hauptbahnhof treffen, kann es sich nur um Hardcore-Buchwissenschaftler handeln. Die Leipziger Buchwissenschaft lud zur alljährlichen Exkursion ein – das Ziel diesmal: die Buchstadt Halle, Saale.

Bereits in der Leipziger Hauptbahnhofshalle glänzte Prof. Dr. Siegfried Lokatis mit seinem fächerübergreifendem Fachwissen: „Herzlich willkommen, liebe Studenten, heute geht es nach Halle. Wir sind auch schon in einer Halle angekommen: der Bahnhofshalle.“

Angekommen in Halle (an der Saale) standen die Franckeschen Stiftungen auf Tagesordnungspunkt 1. Im geordneten Gänsemarsch (Zweierreihe, jeder einen Partner an die Hand, an der Ampel warten bis es grün wird, etc.) ging es einmal quer durch die Stadt. In den Franckeschen Stiftungen wurden die Studenten von unserer sehr kompetenten Betreuerin begleitet und durften von der Spitze des Gebäudeturms die Schönheit der Stadt Halle betrachten. Und kaum war der Turm erklommen, strahlte auch schon die Sonne in ihren schönsten Farben.

Die Augen der Studenten funkelten, als sie die sogenannte „Schatzkammer“ der Stiftung betraten. Hier warteten nicht nur ausgestopfte Krokodile und konservierte Föten, sondern auch Schiffe, Puppen, Gesteine und andere exotische und un-alltägliche Dinge der Weltgeschichte.

Das Herz eines jeden Buchwissenschaftlers schlug höher als die Pforten der mittelalterlichen Buchsammlung erstmals für eine Gruppe von Studenten geöffnet wurden. Diese Bibliothek zeichnet sich durch ihre unglaubliche Vielfältigkeit aus. Von Pflanzenbüchern mit seltenen gepressten Blumen über religiöse Texte (aus verschiedenen Regionen und Sprachen) bis hin zu wissenschaftlichen Werken ist hier alles vertreten und sehr gut erhalten.

Von der Franckeschen Stiftung aus ging es weiter in Richtung Innenstadt und es wurde noch besser: Mit offenen Augen wurde der Weihnachtsmarkt mit all seinen Ständen, der Hallenser Dom und die Schönheit der Innenstadt bewundert. Ausgehungert und mit kalten Füßen kam man bei Tagesordnungspunkt 2 an: dem Mitteldeutschen Verlag.

Hier wurden die Studenten mit einem sehr schön gedeckten Tisch und einer geballten Portion Herzlichkeit begrüßt. Während man sich die Bäuche vollschlagen durfte, unterhielten sich der Verlagschef Roman Pliske und Siegfried Lokatis über die lange Geschichte der Beziehung zwischen den Städten Leipzig und Halle. Auch die Geschichte des Mitteldeutschen Verlags wurde den interessiert Lauschenden erzählt und so blieb keine Fragen offen.

Am späten Nachmittag ging es dann für alle Erschöpften und nun Gut-Informierten wieder zurück nach Leipzig.

[Bericht von Anne-Katrin Hutschenreuter und Martin Zeschke; Fotos von Martin Zeschke]

Besichtigung des Paulinums

Bei Wind und Regen besichtigten etwa 15 Studierende des Fachbereiches Buchwissenschaft die Baustelle des Paulinums am Augustusplatz. Seit 2007 bestimmt die Baustelle das Stadtbild im Zentrum. Zwar ist der erste Bereich mit der Wirtschaftwissenschaftlichen Fakultät, einigen Seminarräumen und der Mensa bereits in Betrieb, doch sind die Aula und die Universitätskirche noch nicht fertig gestellt. Von den Bauarbeiten in diesen Bereichen konnten sich die Studierenden ein Bild machen. Michael Franke, Teamleiter Fassade vom Archtitekturbüro Fischer+Werner Architekten übernahm die Leitung der Führung. Er erläuterte die einzelnen Bauabschnitte und stand den Studierenden Rede und Antwort.

Beeindruckende Säulenhalle
Die Fassade
Ausführliche Erklärungen
Architektonische Raffinesse
Gefährlicher Abstieg

Exkursion nach Staucha im März 2011

Am Mittwoch, den 30.03.11 besichtigte eine kleine Delegation der Buchwissenschaft (Lokatis, Sonntag, Geßler, Kabelitz) auf Einladung von Peter Sodann die neue Unterkunft der Bücher, die er selbst seit 1990 und seit 2007 mit dem für das Projekt gegründeten „Verein zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945 bis 1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur (Peter-Sodann-Bibliothek)“ sammelte.

Bereits im Frühjahr 2009 besuchten Studenten der Buchwissenschaft im Rahmen einer Exkursion die diese Bibliothek in Merseburg. Dort waren die gesammelten Bücher in einer stillgelegten Turnhalle untergebracht. Die Verzeichnung der Werke erfolgte etwas entfernt vom Lagerort in einem alten Kindergarten mit dem Katalogisierungsprogramm Allegro. Nachdem die Stadt Merseburg für die weitere Unterkunft der Bücher nicht mehr sorgen konnte, machte sich Peter Sodann auf die Suche, jedoch ohne Erfolg – bis der Bürgermeister der Gemeinde Stauchitz Peter Geißler einen Aufruf bei Youtube entdeckte und für das Rittergut Staucha mit einer Bibliothek eine sinnvolle Auslastung des sanierten Gebäudes sah.

Nach einem Rundgang durch das Gebäude, welches im Erdgeschoss für Märkte genutzt wird, konnten wir uns im Ober- und im Dachgeschoss einen ersten Eindruck von einer zukünftigen Bücherstätte verschaffen. Beide Etagen werden zur Zeit ausgebaut um einen Bibliotheks- als auch Archivraum unterzubringen. In einem weiteren Gebäude werden die Werke weiterhin anhand von Allegro verzeichnet, nebenan lagern die Kartons mit mittlerweile 500.000 Bänden. Bis zur Aufstellung der Bücher ist es noch ein weiter Weg, jedoch der Mut und die Schaffenskraft des 74jährigen Schauspielers und die Unterstützung durch die Gemeinde Stauchitz sind ein wahrer Lichtblick auf dem bisherigen Weg der Peter-Sodann-Bibliothek. Die Buchwissenschaft wird den Aufbau der Bibliothek mit weiterer fachlicher Unterstützung begleiten.

Exkursion nach Erfurt Juli 2010

Im Rahmen des Seminars „Das Buch im Mittelalter“ veranstaltete Prof. Dr. Siegfried Lokatis zusammen mit Seminarleiter Frank-Joachim Stewing eine Exkursion ins mittelalterliche Erfurt. Auf dem Zeitplan standen unter anderem die Besichtigungen des Domes St. Marien und der Stiftskirche St. Severi, wie auch ein Besuch der Sondersammlung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt-Gotha und eine historische Stadtführung.

Exkursionsgruppe mit Prof. Dr. Lokatis

 

Der Mittelalter-Experte Frank-Joachim Stewing erläutert mittelalterliche Bücher

 

Historisches Erfurt Dom St. Marien
Stiftskirche St. Severi