Frankfurt ist anders, jeden Tag

Vom 11. bis 15. Oktober war es wieder soweit: Bei der Frankfurter Buchmesse trafen alle wichtigen Vertreter der Buchhandels- und Verlagsbranche aufeinander. Auch die Leipziger Buchwissenschaft präsentierte sich unter den 7.300 Ausstellern den rekordverdächtigen 286.425 Besuchern. Der Stand „Studium rund ums Buch“ berät Studieninteressierte traditionell seit nunmehr 25 Jahren, verstaubt ist das Angebot jedoch keineswegs: Wir, das Messeteam der Leipziger Buchwissenschaft, hatten alle Hände voll zu tun. Inmitten der buchwissenschaftlichen Studiengänge der Hochschulen in Erlangen, Mainz, München und Stuttgart zeigte sich die moderne Kommunikations- und Medienwissenschaft aus dem Herzen Leipzigs am Gemeinschaftsstand in Halle 3.1.

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Buchpremiere: Baron der englischen Bücher. Der Leipziger Verlag Bernhard Tauchnitz 1837-1973

Bild: buchbewegt-leipzig.de

9. November 2017 / 19.30 Uhr / Literaturcafé / 25 Jahre Sax-Verlag

Buchpremiere mit Melanie Mienert, Thomas Keiderling, Stefan Welz und Dietmar Böhnke

Vier Leipziger Autoren sprechen über einen großen Verleger des 19. Jahrhunderts und seine legendäre Edition, die »Collection of British and American Authors«. Als langjährig recherchierende Buchwissenschaftler, Historiker, Anglisten legen sie trotz weitgehend verlorengegangener Quellengrundlage nach Ausbombung des Verlages Ende 1943 eine moderne Verlagsgeschichte vor. Überraschende Einblicke bieten sich in den deutsch-englischen Bücherkosmos, namentlich in die Rezeption der englischsprachigen Literatur im kontinentalen Europa. Die Meilensteine der Verlagsgeschichte und die Tauchnitz Edition als Jahrhundertunternehmen wie auch die persönlichen Verlagskontakte zu den Autoren, etwa Charles Dickens oder Levin Ludwig Schücking, stehen im Mittelpunkt des Buches. Eingeleitet wird es mit dem Grußwort eines Urururenkels des Verlagsgründers, Jochen von Osterroth, der als Kenner der Materie diesen Band als Standardwerk zum Thema würdigt.

Der Sax-Verlag lädt herzlich ein zu dieser Buchpremiere und zu seinem 25-jährigen Jubiläum, das in diesem Rahmen feierlich begangen wird.

Veranstaltung des Sax-Verlages

Veranstaltungsort

Literaturhaus Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Vortrag: Insel, Interdruck & LKG – Die Buchbranche im sozialistischen Leipzig

Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft
Bildrechte: MDR / Katrin Schlenstedt

Vortrag der Buchwissenschaftler Dr. phil. Thomas Keiderling und Prof. Dr. Siegfried Lokatis (beide Universität Leipzig). Der Vortrag, veranstaltet vom Bürgerverein Neustädter Markt e. V., findet statt am Donnerstag, dem 26. Oktober, um 19.00 Uhr im Pöge-Haus, Hedwigstr. 20. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Kaum eine Phase polarisiert so wie die DDR-Zeit der Buchstadt Leipzig bzw. des Graphischen Viertels in der Stadt. Die einen denken vor allem an staatliche Gängelung und Bevormundung – ja Zensur – der Literaten, Büchermacher und Leser. Die anderen denken an toll gemachte Bücher, an großartige Publikumserfolge und eine Buchgestaltung, die national wie international prämiert wurde und Maßstäbe setzte. Nicht zuletzt waren auch die Leipziger Buchmessen eine wichtige Begegnungsstätte zwischen Ost und West, durch den Eisernen Vorhang hindurch.
In ihrem Vortrag „Insel, Interdruck & LKG: Die Buchbranche im sozialistischen Leipzig“ greifen die beiden Buchwissenschaftler Dr. phil. Thomas Keiderling und Prof. Dr. Siegfried Lokatis von der Universität Leipzig auf eigene Forschung, auf durchgeführte Zeitzeugeninterviews und ein akribisch gesammeltes Archivwissen zurück. Sie beschreiben, was es für die Buchstadt bedeutete, dass zunächst Hunderte von Verlagen und weiteren Buchfirmen den Standort in Richtung Westen verließen und wie mühsam der Neuanfang war. Sie stellen Verlagstypen in Leipzig und ihre Produktion vor, etwa den Parteiverlag, den volkseigenen Betrieb oder den Parallelverlag. Aber auch Druckkombinate oder das Logistikunternehmen LKG eignen sich, um den Aufstieg und Niedergang des Büchermachens in der Stadt beispielgebend zu untersuchen. Anhand konkreter Beispiele schildern sie, wie man ein Buch mit dem sogenannten Druckgenehmigungsverfahren zensierte (oder unter den Augen der Behörden eben doch durchsetzen konnte). Einblicke in die SED-Propaganda belegen, dass unsere heutige Vorstellung von der Buchstadt maßgeblich durch sie mitgeprägt sein kann.