9 – „Schleunige Hülfe! Sonst gehe ich in’s Wasser!“

Richard Wagner und sein Verleger Franz Schott

Der folgende Beitrag bezieht sich u.a. auf diesen Brief.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Richard Wagner. Diese und viele weitere tolle Buchstützen zu Literaten, Künstlern und Musikern gibt es auf www.buchstuetzen.de zu entdecken. Foto: © Bernhard Siller

 

Richard Wagner, der wohl größte Dramatiker der Musikgeschichte, war bekannt für seine Selbstvergottung, seine unausstehliche Besserwisserei und seine Abhängigkeit vom Luxus, unter der besonders sein Verleger zu leiden hatte.

Franz Schott leitete zu Lebzeiten Wagners den Mainzer Musikverlag Schott’s Söhne und wurde 1859 auf Empfehlung Heinrich Essers, Schotts lebenslangem Musikberater, auf den Komponisten aufmerksam. Dass Wagner die Zusammenarbeit jedoch nicht ganz einfach machte, beweisen die Briefe vom 20. und 21. Oktober 1862 so gut wie keine anderen.

Der gesamte Briefwechsel ist durchzogen von schamlosen Bitten um Vorschüsse. Nicht umsonst warnte Esser den Verleger vor Wagners schlechtem Charakter: „So schließen Sie nur Ihre Säcke fest zu und überziehen Sie ihr Herz mit einem doppelten Panzer, sonst verschwindet wieder etwas in dem Schlunde, der nie auszufüllen ist und so große Summen zu verschlingen mag.“ Dabei schrak Wagner auch nicht vor drastischen Mitteln zurück. Er stiftete Freunde dazu an, Schott zu einem höheren Honorar zu überreden, versuchte mit allen Mitteln der Kunst Mitleid bei Schotts Ehefrau Betty zu erwecken oder drohte damit, den Verlag zu verlassen. Schott ließ das meist kalt. Denn Wagner überspitzte seine finanzielle Lage gerne und verschwieg andere Geldgeber. Sein Leben lang war er abhängig von befreundeten Sponsoren wie seinem Schwiegervater Franz Liszt und König Ludwig II. von Bayern, dessen Beihilfe Schott in seinem Oktober-Brief bereits vorhersagte. Doch obwohl der junge König Wagners Geldsorgen für immer aus dem Weg räumte, scheute Wagner sich weiterhin nicht davor, Schott um Unsummen an Vorschüssen zu bitten. Selbst das bis dahin höchste Honorar eines Musikverlages von 100 000 Talern für sein Werk Parsifal genügte ihm nicht.

„Ich kann dann nicht wie ein Hund leben.“

Sobald Wagner in die Arbeit vertieft war, nahm sein Luxusbedürfnis suchtartige Formen an und es zeigte sich, wie wenig der Komponist mit Geld umzugehen wusste. Goldene Uhren, teure Möbel mit Samtbezügen, kristallene Kronleuchter und eine erlesene Auswahl der besten und teuersten Weine: Ein niedrigerer Standard wäre dem Genie nicht zumutbar gewesen. „Ich kann nicht wie ein Hund leben“, schrieb er an Franz Liszt, „(…) meine stark gereizte, feine ungeheuerlich begehrliche, aber ungemein zarte und zärtliche Sinnlichkeit muss irgendwie sich geschmeichelt fühlen (…). Ich brauche, um mich in volle Ruhe und Gleichgewicht zu setzen, drei- bis viertausend Taler.“

„Somit nenne ich Sie mit gutem, herzlich erwogenem Grunde meinen Freund.“

Wagner beteuerte immer wieder, als welch wertvollen Freund er Schott zu schätzen wisse. Allerdings folgte das Ehepaar Schott selten den Einladungen zu seinen Vorstellungen und als Schott später nicht einmal zu seiner Hochzeit mit Cosima von Bülow erschien, war Wagner sichtlich gekränkt. Es verwundert also kaum, dass die so oft zwischen Verleger und Künstler entstehende Freundschaft im Falle Wagner und Schott ausblieb. Zu Recht, wenn man auch hier Heinrich Esser Glauben schenkt: „Wagner hat die fatale Eigenschaft, dass er die Leute, so lange er glaubt, dass sie ihm nützlich sein können, mit seiner Freundschaft beehrt, die aber nur so lange dauert, bis die Zitrone ausgepresst ist“.

Celine Stöckle


Literatur

Altmann, W. (Hrsg.) (1911). Richard Wagners Briefwechsel mit seinen Verlegern, Bd. II. Leipzig: Breitkopf und Härtel.

Geck, M. (2004). Richard Wagner, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Hansen, W. (2006). Richard Wagner, München: dtv.

 

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