8 – Ein Hertzliches Miteinander

Theodor Fontane und sein Verleger Wilhelm Hertz

Der folgende Beitrag bezieht sich u.a. auf diesen Brief.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Theodor Fontane. Diese und viele weitere tolle Buchstützen zu Literaten, Künstlern und Musikern gibt es auf www.buchstuetzen.de zu entdecken. Foto: © Bernhard Siller

 

Geboren 1819 in einer Apothekerfamilie schien es Theodor Fontanes Schicksal, in seines Vaters Fußstapfen zu treten und eine Lehre als Apotheker zu beginnen. Lang hält er an diesem Gedanken fest, arbeitet zwischendurch sogar als Gehilfe in der noch heute existenten Adler Apotheke in Leipzig. Mit 29 Jahren fasst er letztlich den Beschluss, sich hauptberuflich dem Schriftstellertum zu widmen.

Wilhelm Hertz verlegte den Großteil der Werke Fontanes ab 1859. Zeitlebens verbindet Verleger und Autor eine höflich-freundschaftliche Partnerschaft. Es kommt zur geschäftlichen Korrespondenz, als Fontane mit Hilfe eines Freundes ein Gesuch an Hertz verfasst, ob dieser seine „Bilder und Briefe aus Schottland“ sowie gesammelten Balladen publizieren könne. Hertz willigt ein und es folgt ein regelmäßiger brieflicher Austausch, was verwundert, da beide in Berlin leben. Fontane begründet dies damit, dass er sich „mündlich […] leicht bestimmen [lasse] und hinterher ist [ihm´s] leid [wäre]”.

Als harmoniebedachter Mensch schien es Fontane ein Gräuel, Konflikte auszulösen, weshalb er Hertz nie offen kritisierte und Störnisse, die er beispielsweise in Hertz knauseriger Art sah, eher gegenüber seinen Freunden erwähnte, zumal sein Verleger Fontane vorerst als mittelmäßigen Schriftsteller sah.

Doch trotz manch einer Disharmonie verband beide eine gewisse Art der Freundschaft. Ersichtlich ist dies auch in den letzten Zeilen des Briefes, in dem Fontane sich Hertz gegenüber auf humoristische Weise nach einem gemütlichen Beisammensein bei Biere erkundigt, da die Strohwittwerschaft sich dem Ende neige. So trafen sich beide gelegentlich in privater Runde, meist zusammen mit ihren Ehefrauen. Fontanes saloppe Schlusswendung „Never mind!“ spiegelt gut das freundschaftliche Verhältnis beider wider sowie auch Fontanes Liebe zu England und seiner Sprache. Oftmals verwendete er in seinen Briefen englische Floskeln, aber auch teilweise lateinische und französische.

Damit in Einklang steht Fontanes Werk „Sittah, die Zigeunerin“, erschienen 1844, welches er im oberen Drittel des Briefes erwähnt. Das Werk ist beispielhaft für seine Liebe zu England, Schottland und dem Reisen allgemein. So unternimmt er auch öfter gemeinsame Touren zusammen mit Hertz, welche er davor detailgetreu plant.

Wie die meisten Kunstschaffenden war Fontane perfektionistisch veranlagt. Seine Änderungsvorschläge bezüglich der Ballade um Sittah sind kennzeichnend dafür. Stets suchte er nach Möglichkeiten, seine Werke zu optimieren. So sagt Fontane über sich selbst, dass er an der „‚immer besser Machungs wollen‘ – Krankheit bis zu einem gewissen Grade laborire“. Auch bei seinem bekannten Werk der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ änderte er stetig seine Meinung über die Anzahl der zu erscheinenden Teile, bis er zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gelangte.

In ihrer Gesamtheit war die Beziehung zwischen Fontane und seinem Verleger sehr harmonisch. Beide schrieben sich bis zu Fontanes Tod fast monatlich. Neben geschäftlichen Themen gab es stets auch einen privaten Austausch, der ihre gegenseitige Zuneigung füreinander ausdrückt. Letztlich lassen sich beide als gute Partner betrachten, deren geschäftliche Verbundenheit als Basis für eine Freundschaft diente.

Henriette Röhl


Literatur

Blume, D. (2014). Theodor Fontane. dhm.de. Zugriff am 10.09.2018. Verfügbar unter https://www.dhm.de/lemo/biografie/theodor-fontane.

Schreinert, K. (Hrsg.) (1972). Briefe an Wilhelm und Hans Hertz: 1859 – 1898. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.

 

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