7 – Der Verlegerfreund Salomon Hirzel

Gustav Freytag und sein Verleger Salomon Hirzel

Der folgende Beitrag bezieht sich u.a. auf diesen Brief.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nachdem der gelernte Buchhändler Salomon Hirzel seit 1830 mit der Weidmannschen Buchhandlung erste verlegerische Erfahrungen sammelte, gründete er 1853 den Salomon Hirzel Verlag, welchem schon bald auch Gustav Freytag angehören sollte.

Autor und Verleger teilten nicht nur den literarischen Stützpunkt Leipzig, sondern auch die Sammelleidenschaft, welche die Basis einer starken, mit den Jahren anwachsenden Verbundenheit schaffen sollte. Freytag legte eine Sammlung an Gelegenheitschriften zu Tagesereignissen an, während sein Verleger Hirzel alles rund um Goethe hortete (besagte Sammlung befindet sich heute im Besitz der Universität Leipzig).

Mit der Zuneigung zu Hirzel hielt Freytag nicht hinter dem Berg und schrieb ganz offen: „Meine Verbindung mit ihm wurde eine so innige, wie sie nur irgend zwischen Schriftsteller und Verleger bestehen kann. Dass wir nebeneinander wohnten, kam dem Tagesverkehr zu Gute. Er war der aufmerksamste, zartsinnigste Freund […].“

Bei unmittelbaren Nachbarn erscheinen Briefwechsel recht überflüssig. Warum also mussten sich Autor und Verleger schriftlich über das Tagesgeschehen austauschen? Die Erklärung ist einfach: Freytag hielt sich lediglich im Winter in Leipzig auf.

Dies wurde nötig, weil er schon früh unter stetigen Atem- und Hustenproblemen litt und ihm ärtzlicherseits ein Stadtverbot für die Sommermonate erteilt wurde. Stattdessen verordnete man dem Autor die frische Landluft von Siebleben bei Gotha. So wurde (sehr reger) Briefkontakt zwischen Hirzel und Freytag nur im Sommer notwendig.

Aber auch andere Gründe hielten Freytag hin und wieder auf Distanz zu Leipzig. Hier namentlich Lampenfieber und die damit einhergehende Aufschieberei; womöglich der Grund für den fehlenden Bescheid darüber, dass Die Journalisten, eines seiner bedeutendsten Stücke, in Leipzig aufgeführt wurde. Ebenso war Freytag zu diesem Zeitpunkt vertieft in das Schreiben seines Romans „Soll und Haben“, an dem er, wie er schreibt, nun seit acht Wochen tüchtig arbeite, wohl aber noch zehn weitere Wochen brauche. Tatsächlich hatte Freytag Hirzel schon Mitte Juli 1854 um vier weitere Wochen gebeten, woraus vierundzwanzig geworden waren. Freytag beklagt sich über seine Schwierigkeiten mit dem Projekt und dem Schriftstellerdasein allgemein: „Die Arbeit ist mir jetzt nicht unlieb, wenn nur das Schreiben selbst nicht wäre.“

Nach Leipzig kehrt er jenen Winter nicht zurück, stattdessen verbleibt er in Gotha. Einerseits, weil er dort „ganz ungestört“ arbeiten kann, andererseits, weil Freytag um 1853 seine preußische Staatsbürgerschaft verliert und nun von seinem geliebten Preußen verfolgt wird – sollte man ihn auffinden, wird man ihn inhaftieren. Schutz sucht er beim Herzog Ernst III. Dieser ernennt Freytag zu seinem Vorleser, wodurch er gothaischer Staatsbürger wird und die Verfolgung der preußischen Polizei ihn nicht mehr zu befürchten hat.

Was Freytag zu jenem Zeitpunkt noch nicht weiß: „Soll und Haben” wird sechs Bücher und 128 Auflagen hervorbringen. Wenn auch das Werk damals zu den bedeutendsten bürgerlichen Romanen des 19. Jahrhundert zählte, ist es heute umstritten, da ihm antisemitistische Züge vorgeworfen werden. Doch es ist nicht verwunderlich, dass sich bei einer so erfolgreichen Schriftsteller-Verleger Beziehung auch eine innige Freundschaft entwickelte.

Sicilia Shehata


Literatur

Galler, M. und Matoni, J. (1994). Gustav Freytags Briefe an die Verlegerfamilie Hirzel. Teil 1. 1853 – 1864, Berlin: Mann Verlag.

Otto, N. (2015, Juli). Gustav Freytag – eine biographische Skizze. Abgerufen von https://www.gustav-freytag.info/index.php/biographisches/58-gustav-freytag-eine-biographische-skizze.

Sternburg, W. (2016). Gustav Freytag – Der Erfinder der braven Deutschen. Das Plateau, 156, Stuttgart: Radius-Verlag.

 

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