7 – Bölls Schreibmaschine

Fritz J. Raddatz – Feuilletonist und nicht zuletzt Unruhestifter erinnert sich an einen Abend, den er mit seinem Freund Günter Grass zubrachte. An diesem Abend wurde reich gespeist, bis tief in die Nacht gelesen und vor allem diskutiert – diskutiert jenseits des gewöhnlichen „Bla-Bla“.

 

Grass – Literaturnobelpreisträger und Stimme der Nachkriegsliteratur – kam an jenem Abend   nicht   mit   leeren   Händen.   Er   brachte   die   Lithopraphie   von   Heinrich   Bölls Schreibmaschine   mit.   Ein   Werk   also   von   einem   Literaturnobelpreisträger   vom Arbeitsinstrument eines anderen. Von beiden signiert, stellt es das Gastgeschenk der etwas anderen Art dar. Und so überrascht es nicht, diese Besonderheit durch Raddatz bestätigt zu sehen:

 

„[…] Obzwar bei mir, dem Junggesellen, so oft und stets fürstlich bewirtet: Sein Litho ‚Bölls Schreibmaschine‘ bringt Grass nicht als Gastgeschenk mit, sondern will 600 Mark.“

Fritz J. Raddatz


Text: Svenja Grust
Zitat: Raddatz, F.J., 2003: Unruhestifter Erinnerungen, Berlin: Propyläen Verlag, S.329.
Bilder: Ingmar Stange