20 – Schwarz sind alle seine Bücher

„Für die Spektrum-Reihe war wichtig, daß man auf Eitelkeiten verzichtete.“

Was von Lothar Reher – Buchgestalter der Spektrum-Reihe – als Verzicht bezeichnet wird, wirkt auf den Betrachtenden eher wie eine Überladung an Skurrilitäten. Wohl niemand wird widersprechen, dass hier auf die bloße Präsentation schöner Dinge abgezielt wurde.

Die Spektrum-Reihe wurde 1968 bis 1993 durch den Verlag Volk und Welt in Ost-Berlin veröffentlicht. Lothar Reher, geboren 1932, war in dieser Zeit als Künstlerischer Leiter für den Verlag tätig. Er war für die Umschlaggestaltung aller 279 Titel verantwortlich. Die schwarz-weiße Gestaltung erfolgte zunächst aus pragmatischen Gründen, erlaubte es Reher aber auch gleichzeitig, die Produktion der Bilder komplett zu kontrollieren und die Fotografien selbst in der Dunkelkammer zu entwickeln.

In der Spektrum-Reihe befinden sich unter anderem Bücher der Autoren Thomas Bernhard, Henry Miller, Georges Perec – internationale Autoren, deren Texte vorher meist nicht in der DDR veröffentlicht worden waren.

Das Konzept scheint durch die minimalistische und in schwarz-weiß gehaltene Gestaltung zwar einheitlich, trotzdem füllt Reher jeden Umschlag mit Einzigartigkeit. Die Reihe besteht aus Collagen, Fotomontagen und Stillleben: absurd bis dramatisch wirkende, experimentelle Arbeiten, die vereinzelt bis ins Surrealistische driften – die in ihrem, zunächst leblos und auf eine bestimmte Weise starr wirkenden Zusammenspiel nach einer Auseinandersetzung fordern und wie ein wohlüberlegtes Arrangement von Zufälligkeiten wirken.

„Ich wählte einen Totenkopf, denn der hilft, sich auf das Wesentliche zu beschränken. So ein Totenkopf ist andererseits auch sehr detailreich, seltsamerweise. Er ist eine der kompaktesten Symbolformen … man muß nur den Ansprechpunkt richtig setzen.“

Bei der Betrachtung der Umschläge kann man sich fragen, welche Motive Reher bei der Zuordnung der Bilder zu den einzelnen Titeln verfolgte. Doch er schreibt der inhaltlichen Erörterung eine untergeordnete Rolle zu, es ist vielmehr in seinem Sinne, die Lesenden durch die visuelle Darbietung für eine eigene Lösung der Thematik suchen zu lassen.

„Die Motive sind den Texten stets irgendwie angepasst worden. Entweder ich übermittle eine Atmosphäre oder einen abstrakten Gedanken, eine relativ einfache Geschichte. Ich gebe ein Motiv vor, das reicht völlig aus, dann muß der Leser allein weiterdenken.“

Die Spektrum-Reihe wurde bereits im Pilot (Leipzig) ausgestellt, einige Impressionen davon sind hier (http://home.uni-leipzig.de/buchwissenschaft/pilot/) zu finden.


Text: Freya de l’Isle
Bilder: Vivienne Sommer

Quellen:

Daly, W./Vasquez, A., 2017: Dressed in Black. Spektrum and Lothar Reher. London: Precinct.

Barck, S./Lokatis, S., 2003: Fenster zur Welt: Eine Geschichte des DDR-Verlages Volk & Welt. Berlin: Ch. Links.