20 – Der Weg zum KiWi Verlag

Erich Maria Remarque und sein Verleger Joseph Caspar Witsch

Der folgende Beitrag bezieht sich u.a. auf diesen Brief.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der wohl berühmteste Antikriegsoman „Im Westen nichts Neues“ – erstmals veröffentlicht 1929 – wieder zum Bestseller. Ein wesentlicher Grund hierfür war laut Klaus G. Saur die Tatsache, dass der Ullstein-Verlag während des Nationalsozialismus über 100.000 Exemplare von Remarques Klassiker in einem versteckten Lager eingemauert hatte und so 1945 rasch an die alten Erfolge anknüpfen konnte.

1952, vermittelt durch Fritz Helmut Landshoff, wurde Remarque mit dem KZ-Roman „Der Funke Leben“ Autor bei Kiepenheuer und Witsch, doch das Buch verkaufte sich schlecht. Das Thema Konzentrationslager wurde im Nachkriegsdeutschland verdrängt. Witsch selbst bezeichnete den Roman als eine „harte Nuß“, auch wenn er dessen antikommunistische Tendenz schätzte. Remarques neuer Roman „Der schwarze Obelisk“ über die frühen 1920er sollte 1956 hingegen wieder an den Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ anknüpfen. Er war zugleich ein Schlüsselroman mit zahlreichen Anspielungen auf die Biographie des Schriftstellers. Mit dem Ort der Handlung Werdenbrück war Remarques Heimatort Osnabrück gemeint, und in dem Brief an seinen Verleger verrät der Autor, dass er selbst, wie der Held des Romans, als Organist einer Irrenanstalt und Grabsteinverkäufer gearbeitet hatte. Selbstbewusst kokettiert der weltberühmte Schriftsteller damit, dass es noch 20 andere Verleger gibt, die sich für sein Manuskript interessieren…

Anna Aleksandrova


Literatur:

Boge, B. (2009). Die Anfänge von Kiepenheuer & Witsch. Joseph Caspar Witsch und die Etablierung des Verlags (1948-1959), Wiesbaden: Harrassowitz Verlag.

Möller, F. (2014). Das Buch Witsch. Das schwindelerregende Leben des Verlegers Joseph Caspar Witsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Remarque, E. M. (1998). Das unbekannte Werk. Briefe und Tagebücher (5. Band), Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Rüter, H. (1980). Remarque Im Westen nichts Neues. Ein Bestseller der Kriegsliteratur im Kontext, Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag.

Sternburg, W. (2000). „Als wäre alles das letzte Mal“. Erich Maria Remarque: Eine Biographie, Köln: Kiepenheuer & Witsch.

 

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