17 – Schicksalswerk Glasperlenspiel (Teil 2)

Hermann Hesse und sein Verleger Siegfried Unseld

Der folgende Beitrag bezieht sich u.a. auf diese Briefe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der junge Bewunderer

Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg 1946 wurde Siegfried Unseld erstmals auf Hermann Hesse aufmerksam. Sein damaliger Lehrer Eugen Zeller hatte eine kleine Bibliothek mit den gesammelten Werken Hesses während des Kriegs aufrechterhalten können und bot ihm so die Möglichkeit, sich weiter mit Schriftsteller zu beschäftigen. Unter dem Einfluss des „Steppenwolfs“ wuchs in ihm schon bald der Wunsch des Studiums der Literaturgeschichte.

Als zu Weihnachten 1946 „Das Glasperlenspiel“ veröffentlicht wurde, war Unseld Volontier eines Verlages in Ulm. Bei einer Bestellung durch den Verlag fügte Unseld einen Brief an den „großen“ Verleger Peter Suhrkamp hinzu. Der Verlag ging leer aus. Er jedoch bekam ein persönlich an ihn adressiertes Exemplar des zweibändigen Werkes. Eine für ihn daseinsverändernde Lektüre.

Ouroboros

Einige Jahre später veröffentlichte der in Studienkreisen als Hessekenner bekannte Student Siegfried Unseld eine Rezension zu „Das Glasperlenspiel“ und sandte diese auf Drängen eines Freundes an Hesse. So begann Ende 1948 die Korrespondenz zwischen Unseld und Hesse. Die Promotion Unselds über Hesse und dessen Nachfrage, ob eine solche überhaupt angemessen sei, hielt den Briefwechsel aufrecht. Einer Einladung Hesses bezüglich eines Besuchs kam Unseld im August 1951 nach. Er fuhr mit seiner Frau ins Tessin, nach Montagnola. Als Hesse dort nicht anzutreffen war und sie hörten, dass er in der Hauptstadt sei, fuhren sie auf gut Glück nach Bern, ins Schloss Bremgarten, bekannt aus Hesses Erzählung „Die Morgenlandfahrt“ und trafen ihn, aller Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz, tatsächlich dort an.

Auf die Frage nach den Zukunftsplänen Unselds erzählte der Student von seinem Wunsch, seinen eigenen Verlag zu eröffnen. Hesse eröffnete ihm daraufhin, dass Peter Suhrkamp einen Nachfolger suche und ermutigte ihn, sich dort vorzustellen. „Unter dem Eindruck“ dieser Begegnung wandte sich Unseld am 31. Oktober 1951 tatsächlich an Suhrkamp. Am 23. November gab es ein Vorstellungsgespräch, bei dem sich beide gut verstanden und am 1. Januar 1952 nahm Unseld seine Arbeit beim Suhrkamp Verlag auf.

Epilog

Somit hat Hesse, wie im letzten Kalendertürchen berichtet wurde, nicht nur Suhrkamp selbst bei der Gründung des Verlages geholfen, sondern mit der Empfehlung Unselds zum Bestehen und der Weiterentwicklung des Verlages beigetragen, wobei stets „Das Glasperlenspiel“ als Ursache der wachsenden Verbindungen fungierte. Die Wirkung des Buches geht weit über seine literarische Bedeutung hinaus und hatte, ohne, dass es sein Autor hätte erahnen können, einen entscheidenden Einfluss auf die Verlagsgeschichte. Es bindet Hesse an Suhrkamp, bringt Unseld erstmals kurz mit Suhrkamp in Kontakt, ermöglicht den Besuch Unselds bei Hesse und stellt so die Verbindung zu Suhrkamp auf beruflicher Ebene her. „Das Glasperlenspiel“ bildet ein faszinierendes Netz zwischen diesen Akteuren, von denen ein jeder essentiell für die Entwicklung des Suhrkamp Verlages war.

Manuel Lechthaler


Literatur:

Decker, G. (2012). Hesse – der Wanderer und sein Schatten Biographie, München: Carl Hanser Verlag.

Suhrkamp, P. (1987). Erste Begegnung mit Hermann Hesse. In M. Volker (Hrsg.), Hermann Hesse in Augenzeugenberichten (S. 206-212), Frankfurt: Suhrkamp Verlag.

Unseld, S. (1969). Hermann Hesse – Peter Suhrkamp Briefwechsel 1945-1959, Frankfurt: Suhrkamp Verlag.

Unseld, S. (1975). Begegnungen mit Hermann Hesse, Frankfurt: Suhrkamp Verlag.

Unseld, S. (1991). Peter Suhrkamp – zur Biographie eines Verlegers, Frankfurt: Suhrkamp Verlag.

 

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