16 – UNAULUTU

Es raschelt in den indianischen Wäldern, Blätter bewegen sich bei jedem Hauch, etwas berührt deine Hand, dein Auge blinzelt umher – was gibt es hier noch zu entdecken? UNAULUTU zeigt Steinchen im Sand und gleichzeitig das Spektrum künstlerischer Schaffenskraft und das Interesse der Bevölkerung an fremden Kulturen in der DDR.

Frieder Heinze und Olaf Wegewitz schufen in der DDR ein unvergleichliches Buch, das neue Maßstäbe des künstlerischen Schaffens in der ehemaligen DDR setzte. Die Buchkünstler kreierten 1986 in aufwändiger Handarbeit ein haptisches und optisches Kunstobjekt, das voller Überraschungen für den Betrachter steckt. Vereinzelte Klangelemente und natürliche Materialien verleihen diesem Buch eine besondere Aura. UNAULUTU ist ein Buch, das angefasst werden möchte und genau das auch vom Betrachter einfordert. Die Auswahl der Papiere und die besondere Bindung ermöglichen es, einzelne Blätter herauszunehmen, auseinanderzufalten und wieder einzusetzen – ein Sinnerlebnis, dem sich der staunende Leser nicht entziehen kann und das ihn in die fremde Welt der indianischen Völker eintauchen lässt. 

Ein Highlight in der ehemaligen DDR. Mit einer Auflage von 130 Exemplaren eines der finanziell aufwändigsten Werke aus dem Hause Reclam in Leipzig. Die jungen Buchkünstler Heinze und Wegewitz waren keinesfalls etabliert oder angesehen, eher Querulanten des konterrevolutionären 1. Leipziger Herbstsalons. UNAULUTU ist ein Symbol für die Beschäftigung der DDR mit außereuropäischen Völkern und steht zugleich in kontroverser Brisanz zu deren sozialistischer Haltung.


Text: Juliane Seifert & Ingmar Stange
Bilder: Ingmar Stange

Quelle: Hüneke, H., 2016: Das Künstlerbuch UNAULUTU. Zeugnisse indigener Völker als künstlerische Inspiration in der DDR. Marburg: Tectum Verlag.