Insel, Interdruck & LKG – Die Buchbranche im sozialistischen Leipzig

Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft
Bildrechte: MDR / Katrin Schlenstedt

Vortrag der Buchwissenschaftler Dr. phil. Thomas Keiderling und Prof. Dr. Siegfried Lokatis (beide Universität Leipzig). Der Vortrag, veranstaltet vom Bürgerverein Neustädter Markt e. V., findet statt am Donnerstag, dem 26. Oktober, um 19.00 Uhr im Pöge-Haus, Hedwigstr. 20. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Kaum eine Phase polarisiert so wie die DDR-Zeit der Buchstadt Leipzig bzw. des Graphischen Viertels in der Stadt. Die einen denken vor allem an staatliche Gängelung und Bevormundung – ja Zensur – der Literaten, Büchermacher und Leser. Die anderen denken an toll gemachte Bücher, an großartige Publikumserfolge und eine Buchgestaltung, die national wie international prämiert wurde und Maßstäbe setzte. Nicht zuletzt waren auch die Leipziger Buchmessen eine wichtige Begegnungsstätte zwischen Ost und West, durch den Eisernen Vorhang hindurch.
In ihrem Vortrag „Insel, Interdruck & LKG: Die Buchbranche im sozialistischen Leipzig“ greifen die beiden Buchwissenschaftler Dr. phil. Thomas Keiderling und Prof. Dr. Siegfried Lokatis von der Universität Leipzig auf eigene Forschung, auf durchgeführte Zeitzeugeninterviews und ein akribisch gesammeltes Archivwissen zurück. Sie beschreiben, was es für die Buchstadt bedeutete, dass zunächst Hunderte von Verlagen und weiteren Buchfirmen den Standort in Richtung Westen verließen und wie mühsam der Neuanfang war. Sie stellen Verlagstypen in Leipzig und ihre Produktion vor, etwa den Parteiverlag, den volkseigenen Betrieb oder den Parallelverlag. Aber auch Druckkombinate oder das Logistikunternehmen LKG eignen sich, um den Aufstieg und Niedergang des Büchermachens in der Stadt beispielgebend zu untersuchen. Anhand konkreter Beispiele schildern sie, wie man ein Buch mit dem sogenannten Druckgenehmigungsverfahren zensierte (oder unter den Augen der Behörden eben doch durchsetzen konnte). Einblicke in die SED-Propaganda belegen, dass unsere heutige Vorstellung von der Buchstadt maßgeblich durch sie mitgeprägt sein kann.

Anders durch die Wissenschaft – Eine Ausstellung zur Anderen Bibliothek

Die Andere Bibliothek versöhnt Ästhetik und Erkenntnis. Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno haben 1985 eine Buchreihe gegründet, die es an Vielfalt durchaus mit einer traditionsreichen Universität aufnehmen kann. Während der diesjährigen Buchmesse entführte eine Ausstellung der Leipziger Buchwissenschaft ihre Besucher in die spannendsten Winkel der Geistes- und Naturwissenschaften, zeigte Objekte aus dem Entstehungsprozess der Bücher und eine Auswahl der über 400 bisher erschienenen Bände und Sonderausgaben. Weiterlesen