Metaphernanalyse als Methode zur Erfassung impliziten Wissens

Karin S. Moser

Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie, Universität St.Gallen
Guisanstrasse 11, CH 9010 St.Gallen
E-Mail: karin.moser@unisg.ch

Implizites Wissen ist zentral für Wahrnehmung, Erleben und Handeln. Für die Anwendung impliziten Wissens ist keine Aufmerksamkeit nötig, es wird nicht reflektiert und ist deshalb auch nicht als handlungsleitend bewusst. Weitere Merkmale impliziten Wissens sind, dass es sowohl deklarativ als auch prozedural ist, dass es entwicklungspsychologisch früh erworben wird und dass es komplex ist. Metaphern weisen alle diese Eigenschaften auf, sie haben darüberhinaus den Vorteil, dass sie als manifeste sprachliche Äussserungen direkt zugänglich und vergleichsweise einfach zu operationalisieren sind.
Anhand einer empirischen Untersuchung zum Metapherngebrauch bei selbstbezogenen Aussagen wird gezeigt, wie implizites Wissen über die eigene Person metaphorisch repräsentiert wird. In die Untersuchung wurden knapp viertausend metaphorische Aussagen einbezogen, die von den ProbandInnen bei freier Selbstbeschreibung verwendet wurden. Die identifizierten metaphorischen Sprechweisen liessen sich lediglich 22 Metaphernspendebereichen zuordnen, wobei die häufigsten acht Metaphernspendebereiche bereits über zwei Drittel aller metaphorischen Sprechweisen repräsentieren. Die Datenanalyse hat gezeigt, dass bestimmte Metaphernspendebereiche individuell signifikant überrepräsentiert sind, d.h. dass sie automatisiertes und habituelles Wissen über die eigene Person repräsentieren. Die Kombinierbarkeit der verschiedenen Metaphernspendebereiche ist nicht beliebig. Das metaphorisch repräsentierte implizite Wissen über die eigene Person lässt sich als strukturiertes Wissen in Form von teilweise überlappenden Metaphernmodellen analysieren.
Die Ergebnisse werden zum einen im Hinblick auf den methodischen Wert der Metaphernanalyse zur Erfassung impliziten Wissens diskutiert, zum anderen im Hinblick auf die Anschlussfähigkeit der Metaphernanalyse und der Kognitiven Metapherntheorie an Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz zur Erfassung von Erfahrungswissen, insbesondere ExpertInnenwissen, und zur Modellierung verteilter Repräsentationen, ebenso wie die Anschlussfähigkeit an die Theorie automatisierten Handelns.

Referat in der Gruppe Wissenspsychologie, Mittwoch, 31. März 1999, 08:30, HS 15

Zur Programmübersicht

Zur Liste der Postergruppen, Referategruppen und Symposien

Zurück zur Teap '99-Homepage